"Raisin DS" – so lautet der Name der neuen Zinsplattform, mit der Tamaz Georgadze und Tim Sievers in Kürze gemeinsame Wege gehen werden. Georgadze ist Gründer des Fintechs Raisin, die hinter dem Markennamen "Weltsparen" steckt, von Sievers stammt der Konkurrent Deposit Solutions, bekannt für Zinspilot. Die beiden haben nun eine Fusion ihrer Start-ups besiegelt und wollen Raisin DS als Doppelspitze führen. Gemeinsam wollen zwei der größten deutschen Fintechs es so zu internationaler Größe schaffen, berichtet das "Handelsblatt".

Dabei sind die Zinsplattformen erst kürzlich durch den Skandal der insolventen Greensill-Bank ins Visier der Politik geraten. Zinsportale wie Weltsparen oder Zinspilot bieten Verbrauchern die Möglichkeit, die Zinsen für Spareinlagen bei Geldhäusern im europäischen Ausland zu vergleichen und dort ein Konto zu eröffnen. Gerade für die Sparbuch-affinen Deutschen sind die Angebote attraktiv. Einige sind auf diese Weise auch bei der inzwischen insolventen Greensill-Bank gelandet. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt diese Kunden, allerdings prüft die deutsche Bundesregierung nun eine strengere Regulierung der Zinsportale. 

Mit Vollgas in die USA
Georgadze und Sievers versuchen derweil bereits neue Märkte zu erschließen. "Unsere Vision ist ein globaler Spar- und Anlagemarkt ohne Hürden", sagen die beiden Gründer. Beide Fintechs sind schon jetzt im Ausland aktiv. Gemeinsam decken sie 30 europäische Länder ab und kooperieren mit insgesamt 400 Banken. Insgesamt 550.000 Direktkunden dürften das Angebot von Raisin DS nutzen. 

In den USA waren Raisin und Deposit Solutions im Alleingang bisher nicht sonderlich erfolgreich. Das soll sich nun ändern. "Gerade beim Einstieg in den US-Markt wird deutlich, wie sehr sich die Bündelung lohnt. Bisher müssen wir bei jedem Markteintritt dieselben Anforderungen zweimal erfüllen", sagt Georgadze dem "Handelsblatt." 

Aus Wettbewerbern werden Partner
Der Öffentlichkeit war von der Fusion bislang nichts bekannt. Georgadze und Sievers arbeiten laut eigenen Angaben aber bereits seit mehr als einem Jahr daran. Aus ihrer Sicht ergänzen sich die beiden ehemaligen Konkurrenten gut. "Unsere Vision ist ein globaler Spar- und Anlagemarkt ohne Hürden. Wir möchten zu einem Finanzsystem beitragen, das sich stärker an den alltäglichen finanziellen Bedürfnissen der Menschen orientiert und gleichzeitig Banken als wichtige Stütze der Realwirtschaft stärkt", erklärt Georgadze.

Raisin hatte seinen Schwerpunkt bislang auf den länderübergreifenden Marktplatz für Spar- und Investmentprodukte mit einem Fokus auf Verbraucher. Deposit Solutions ist dagegen vor allem ein Dienstleister für Banken. Auf seinen Zinsmarktplätzen tummeln sich rund 150 Partner, darunter die Deutsche Bank, die Hamburger Sparkasse und die Berliner Volksbank. (fp)