"Schließe ich mein Online-Konto und mache alles wieder in der Filiale, oder ändere ich nichts und hoffe auf das Beste?" Solche Gedanken dürften Kunden reinrassiger Direktbanken und den Nutzern der Online-Angebote klassischer Geldhäuser angesichts der vielen IT-Pannen in jüngster Zeit des öfteren durch den Kopf schießen. Jüngstes Beispiel: Einige Kunde der Comdirect waren am frühen Donnerstagmorgen (25. Juli) laut den Auszügen ihres Wertpapierdepots plötzlich Multimillionäre geworden, andere ganz tief in die roten Zahlen gerutscht, wie das "Handelsblatt" meldet.

Laut der Wirtschaftszeitung informierte die Tochter der Commerzbank ihre Kunden in sozialen Netzwerken nicht über die Probleme, bestätige sie aber auf Anfrage. "Bedingt durch einen Fehler bei einem Dienstleister wurden am frühen Donnerstag einige Kurse vorübergehend nicht korrekt angezeigt", zitiert das Handelsblatt eine Sprecherin. Das habe etwa die Depotübersicht betroffen, wobei es sich um ein reines Darstellungsproblem gehandelt habe. "Der tatsächliche Depotbestand und damit auch der Verfügungsrahmen waren und sind nicht betroffen." Ab Börseneröffnung am Donnerstagmorgen hätten die Anzeigen wieder größtenteils regulär funktioniert. Allerdings schreibt die Zeitung, dass einige Nutzer auch am Donnerstagnachmittag noch von falschen Aufstellungen berichten.

Erneut Probleme bei der Commerzbank?
Später sollen laut Handelsblatt einzelne Kunden auf Facebook geschrieben haben, dass auch das Onlinebanking der Commerzbank von Ausfällen betroffen sei. Auf Anfrage der Zeitung habe ein Commerzbank-Sprecher aber erklärt, dass dem Institut keine IT-Probleme bekannt sind. Beschwerden habe es auch nicht gegeben.

Die Commerzbank und ihre Direktbanktochter sind nicht das erste Mal wegen IT-Pannen in den Nachrichten. Anfang Juli gab es bei dem Frankfurter Geldhaus Anmeldeprobleme im Onlinebanking. Der Grund: Die Homepage hatte eine große Last an Anfragen verarbeiten müssen, wodurch es zu Wartezeiten gekommen sei. Wenige Tage zuvor hatten Kunden aufgrund eines Ausfalls zeitweise kein Geld abheben oder Einkäufe per Girocard bezahlen können. Vor rund sieben Wochen war es bei Mutter wie Tochter zur bisher schwersten Panne gekommen: Zahlreiche Überweisungen, Daueraufträge und Lastschriften konnten nicht verarbeiten werden (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Absturzursache: Steinzeitliche EDV-Systeme
Andere Institute waren ebenfalls nicht verschont geblieben. Auch Kunden der Deutschen Kreditbank (DKB) sowie der genossenschaftlichen Institute PSD Bank Berlin-Brandenburg und Berliner Volksbank kämpften zwischenzeitlich mit Abstürzen.

Branchenexperten schieben den oft veralteten IT-Kernen der Banken-EDV dafür die Schuld in die Schuhe. Diese stammen häufig in Teilen noch aus den 1970er und 1980er Jahren und können die zusätzlichen und oft komplexeren Anforderungen des heutigen Bankings nur noch eingeschränkt erfüllen. Vor allem am Monatsende, wenn viele Daueraufträge ausgeführt werden, bekommen sie Probleme. Eine umfassende Modernisierung wiederum scheitert häufig an den teils immensen Kosten, denen aber kein unmittelbarer Ertrag gegenübersteht – eine in Zeiten ohnehin schrumpfender Margen im Bankbusiness fatale Situation.

Die Finanzaufsicht Bafin hat die veraltete IT vieler Banken schon vor einiger Zeit massiv gerüffelt. Zudem hat die Behörde Ende vergangenen Jahres angekündigt, die Institute zusammen mit der Bundesbank künftig regelmäßig auch in Sachen IT-Sicherheit Prüfungen zu unterziehen. (jb)