Die Verkaufsprozesse für das Kerngeschäft des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard sowie für die davon unabhängigen Geschäftsbereiche der Konzerngesellschaften weltweit laufen an. Das teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffé im Anschluss an eine Sitzung des vorläufigen Wirecard-Gläubigerausschusses am Dienstagnachmittag (7. Juli 2020) mit. Demnach haben sich inzwischen mehr als 100 potenzielle Käufer gemeldet.

Einer Pressemitteilung zufolge sollen Online-Angebote eingerichtet werden, über die sich die potenziellen Investoren nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung in Kürze informieren und mit den Due-Diligence-Prüfungen beginnen können. Ziel sei es, dass rasch "Investorenlösungen im Interesse der Gläubiger, Arbeitnehmer und Kunden" gefunden werden.

Aktivitäten bei Wirecard North America weit fortgeschritten
Am weitesten fortgeschritten seien die Aktivitäten für die US-amerikanische Gesellschaft Wirecard North America. Hier wurde den Angaben zufolge die internationale Investmentbank Moelis & Company bereits mit Zustimmung des vorläufigen Gläubigerausschusses mandatiert, die Veräußerung zu begleiten. Auch für weitere internationale Beteiligungen sowie das Kerngeschäft werden bereits Investorenprozesse eingeleitet.

Jaffé kündigte auch an, dass die Arbeitnehmer "in wenigen Tagen erste Gehaltszahlungen bekommen". Die Insolvenzgeldvorfinanzierung laufe bereits. Es seien außerdem zwischenzeitlich auch Maßnahmen zur Sicherung von Vermögenswerten an den verschiedenen internationalen Standorten ergriffen worden. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass die Wirecard Bank nicht insolvent ist. "Auszahlungen an Händler und Kunden werden ohne Einschränkungen ausgeführt", heißt es.

Strengere Regulierung für Zahlungsdienstleister
Indes drängt ​die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Bilanzskandals bei Wirecard auf eine stärkere Regulierung von Zahlungsdienstleistern in Europa. Dies berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und bezieht sich dabei auf Informationen aus Regierungskreisen in Berlin. Zugleich werde an eine schlagkräftige Börsenaufsicht gedacht, wie sie etwa in Amerika mit der SEC existiert. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) könnte die Vorhaben bereits Ende dieser Woche vorantreiben, wenn er mit seinen Amtskollegen aus den EU-Mitgliedstaaten sprechen wird, schreibt die FAZ. (eml)