Die Unicredit hat sich nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen Zusagen gesichert, die den Anteil der Mailänder Bank an der Commerzbank deutlich über 30 Prozent steigen lassen werden. Damit gewinnt das Übernahmeangebot über 38,6 Milliarden Euro für den Frankfurter Rivalen an Dynamik.

Aktionäre haben der Unicredit ausreichend Aktien angedient, um den direkten Anteil der Bank von derzeit 26,8 Prozent auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen, sagten die Personen. Sie wollten wegen der Vertraulichkeit der Informationen nicht namentlich genannt werden. Ein Sprecher der Unicredit lehnte eine Stellungnahme ab.

Wichtiger Meilenstein für Orcel
Das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle markiert einen wichtigen Meilenstein für Unicredit-Chef Andrea Orcel. Dadurch gewinnt er weiter an Einfluss und erschwert es dem Übernahmeziel zunehmend, sich gegen das Angebot zu wehren – trotz der starken Unterstützung der Bundesregierung für die Ablehnung der Avancen.

Die Annahmequote zeigt zudem, dass es unter Investoren zumindest ein gewisses Interesse an dem Übernahmeangebot gibt, obwohl dessen impliziter Wert unter dem aktuellen Börsenkurs der Commerzbank liegt. Das Angebot, das seit Anfang Mai zur Annahme offensteht, läuft bis zum 16. Juni.

Angebot liegt unter Börsenkurs
Die italienische Bank bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Anteilscheine. Auf Basis des Unicredit-Schlusskurses vom Montag (1.6.) bewertet dies die Commerzbank mit rund 35,75 Euro je Aktie und damit etwa drei Prozent unter dem Schlusskurs der Commerzbank. Für die Bank insgesamt entspricht dies einer Bewertung von etwa 38,6 Milliarden Euro.

Orcel bemüht sich seit September 2024 um die Commerzbank, um das italienische Bankinstitut zu einem dominanten Akteur in Deutschland zu machen. Er hat eine Beteiligung von etwas unter 30 Prozent aufgebaut und im März ein niedriges Übernahmeangebot vorgelegt, das Unicredits Anteil knapp über diese Schwelle heben und die monatelange Pattsituation beenden sollte.

Widerstand von Commerzbank und Bund
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das Angebot der Unicredit als zu niedrig zurückgewiesen und erklärt, die Bank sei eigenständig besser aufgestellt. Im Zuge ihrer Abwehr des feindlichen Übernahmeversuchs durch die Unicredit erhöhte sie die Gewinnprognose für das laufende Jahr und kündigte weitere Stellenstreichungen an. Auch die Bundesregierung, die mehr als zwölf Prozent an der Bank hält, lehnt die Transaktion entschieden ab.

Zusätzlich zu den angedienten Aktien hält die Unicredit Finanzinstrumente, die mit weiteren 3,22 Prozent der Commerzbank verknüpft sind und in Aktien umgewandelt werden können. Hinzu kommen bar abgerechnete Derivate, die an weitere 10,7 Prozent gekoppelt sind. (mb/Bloomberg)