Das Bankhaus Metzler wird sich von Teilen seiner Fondsplattform "Metzler Fund Xchange" (MFX) trennen. Das Geschäft mit institutionellen Kunden wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern bleibt erhalten. Dagegen wird der Retail-Bereich verkauft, zu dem die Depotverwaltung für Maklerpools und einige Direktanbindungen von Anlagevermittlern gehören, wie ein Sprecher der Bank auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mitteilte. Über mögliche Käufer, Preisvorstellungen und den Zeitplan bewahrte er Stillschweigen. Als Grund für die Trennung gab er die hohen Kosten des Retail-Geschäfts wegen der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II an.

Auf der Jahrespressekonferenz am 25. Mai hatte Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter der Bank, bekannt gegeben, sich wegen des hohen regulatorischen Aufwands künftig stärker auf das bewährte Geschäftsmodell fokussieren zu wollen. Zu diesen Kernfeldern zählen die Vermögensverwaltung, das Kapitalmarktgeschäft, die Unternehmensfinanzierung und die Beratung wohlhabender Kunden. Das Management von Publikumsfonds möchte Metzler fortführen, nicht aber die Depotverwaltung für private Kunden.

MFX, das zur Bank-Schwester Metzler Fund Services gehört, gilt zudem als Vorreiter bei der Abwicklung standardisierter, fondsgebundener Vermögensverwaltungen und kooperiert auf diesem Gebiet unter anderem mit der BCA-Tochter BfV Bank für Vermögen. Auch dieses Geschäft zählt Metzler zum institutionellen Bereich und bleibt somit.

Zwei Milliarden Euro von Privatkunden
Aktuell verwahrt die Plattform rund 15 Milliarden Euro für professionelle und rund zwei Milliarden Euro für private Kunden. Die Einnahmen aus Provisionen und Servicegebühren aus der Retail-Sparte sind offenbar vor dem Hintergrund von Mifid II und den daraus resultierenden IT-Aufwendungen nicht mehr ausreichend. Sehr aufwändig ist unter anderem die technikgestützte Erstellung der sogenannten Ex-ante- und Ex-post-Kostenausweise. Das Plattformgeschäft gilt ohnehin als margenarm, die Kosten müssen also unter Kontrolle gehalten. Mit institutionellen Kunden und ihren größeren Depots können die Plattformen individuelle, für sie passende Preismodelle vereinbaren.

MFX ging 2002 an den Start. Die Plattform bietet laut einer Umfrage von FONDS professionell vom Herbst 2018 Zugang zu rund 7.400 Investmentfonds von circa 210 Kapitalverwaltungsgesellschaften. Ferner können Kunden aus 270 börsengehandelte Indexfonds (ETFs) wählen. Die Plattform gab ferner an, bei 625 Portfolios Anteilsklassen ohne Provisionsanteile, sogenannte "Clean Shares" im Angebot zu haben – die größte Auswahl aller Plattformen. Der Bilanzgewinn 2017, aus der "Mifid-II-Vorzeit", betrug 2,31 Millionen Euro. (jb)