Der US-Asset-Manager Nuveen kauft den britischen Vermögensverwalter Schroders für 9,9 Milliarden Pfund (rund 11,4 Mrd. Euro). Damit entsteht ein neuer Riese in der Fondswelt. Das vereinte Haus verwaltet ein Vermögen von fast 2,5 Billionen US-Dollar (2,1 Bio. Euro). Dies teilten die beiden Gesellschaften am Donnerstag (12.2.) mit. Hinter Nuveen steht der US-Pensionsfonds Teachers Insurance and Annuity Association of America (TIAA), der für den Schroders-Kauf ein Konsortium geschmiedet hat.

Mit dem Schritt entsteht nicht nur ein neuer Riese in der Finanzindustrie. Zum Vergleich: Der größte aus Europa stammende Fondsanbieter ist Amundi mit einem verwalteten Vermögen von 2,4 Billionen Euro. Mit der Transaktion endet auch die mehr als 200 Jahre währende Eigenständigkeit des Traditionshauses Schroders. Der Vermögensverwalter ist einer der letzten unabhängigen Finanzdienstleister in Großbritannien. Die Familie Schroder hält wesentliche Anteile.

Familie dient Anteile an
Doch die Familie sowie leitende Angestellte, die Schroders-Aktien halten, haben ihre Anteile dem Käuferkonsortium angedient, wie es in der Mitteilung heißt. Demnach liegen Nuveen Verkaufszusagen über 42 Prozent der Schroders-Aktien vor. Für jeden Schroders-Anteilsschein sollen insgesamt 612 Pence fließen. Der Betrag setzt sich aus einer Barzahlung von 590 Pence und einer Dividende von 22 Pence zusammen. Der Barpreis entspricht einem Aufschlag von 29 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch (11.2.).

Der Mitteilung zufolge soll die Marke Schroders erhalten bleiben. Der bisherige Schroders-Hauptsitz London wird mit rund 3.100 Mitarbeitern die größte Niederlassung des vereinten Hauses sowie der Hauptsitz außerhalb der USA werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal dieses Jahres erwartet. Das verwaltete Vermögen des vereinten Hauses wird zu 57 Prozent auf Amerika entfallen, rund ein Drittel auf Europa, den Nahen Osten und Afrika sowie zwölf Prozent auf Asien.

"Wachstumschancen erschließen"
"In einem Wettbewerbsumfeld, in dem Größe Vorteile bringen kann, sehen wir in Nuveen einen Partner, der unsere Werte teilt, die von uns aufgebaute Kultur respektiert und spannende Möglichkeiten für unsere Kunden und Mitarbeiter schaffen wird", lässt sich Schroders-Chef Richard Oldfield in der Erklärung zitieren. Nuveen-Chef William Huffman ergänzt: "Mit dieser Transaktion wollen wir neue Wachstumschancen für vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren auf der ganzen Welt erschließen."

Schroders hatte in den vergangenen Jahren mit Schwierigkeiten gerungen. Beobachter kritisierten die vergleichsweise hohe Kostenbasis sowie das langsamere Wachstum im Bereich der Privatmärkte. Viele Asset Manager wollen dieses Feld ausbauen, da hier höhere Margen zu erzielen sind. Schroders agiert einerseits als Asset Manager, ist vor allem in seinem Heimatmarkt aber auch im Wealth Management tätig. (ert)