Mit Hilfe der DWS: Frankfurter Leben schluckt Athora Deutschland
Versicherungspolicen übernehmen und die Verträge bis zum Laufzeitende fortführen: Das ist das Geschäft der Frankfurter Leben, die nun einen weiteren Milliardenbestand kauft. Bei der neuesten Transaktion mischt die DWS mit – aus guten Gründen.
Der Run-off-Versicherer Frankfurter Leben übernimmt den Wettbewerber Athora Deutschland. Die DWS finanziert die Transaktion zu großen Teilen und soll künftig eng mit der Frankfurter Leben zusammenarbeiten. Die Asset-Management-Tochter der Deutschen Bank wird einen "niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in ein Restricted-Tier-1-Kapitalinstrument (RT1) der Frankfurter-Leben-Gruppe investieren und damit Hybridkapital zur Verfügung stellen", heißt es in einer Pressemitteilung der Unternehmen.
Die Frankfurter Leben wurde 2015 gegründet und hat bereits mehrere Versicherungsbestände übernommen. Der Athora-Deal, dessen Abschluss für Mitte 2027 erwartet wird, ist die siebte Transaktion. Kontrolliert wird die Frankfurter-Leben-Gruppe vom chinesischen Mischkonzern Fosun.
Steigender Konsolidierungsdruck
"Das Geschäft als Bestandsversicherer lebt von Effizienz – im Sinne der Kunden und der Investoren. Mit der Übernahme der Athora Deutschland unterstreichen wir unsere Ambition, hierfür den besten Ansatz zu haben", lässt sich Frankfurter-Leben-Chef Christian Wrede in einer Pressemitteilung zitieren.
Hinzu komme ein weiterer Punkt: "Die Reformen in der Altersvorsorge verschärfen den Wettbewerb der Lebensversicherer mit den Asset Managern und erhöhen den Konsolidierungsdruck. Dafür sind wir bestens positioniert", so Wrede. Für das kommende Altersvorsorgedepot gibt es keinen Zwang mehr zur Beitragsgarantie und Verrentung, was Versicherern neue Konkurrenz im milliardenschweren Geschäft mit der staatlich geförderten Vorsorge beschert und zu hohen Abflüssen aus Riester-Verträgen führen könnte. Nicht zuletzt deshalb dürften Run-offs ein Comeback erleben, meinen Experten.
Die DWS darf auf Milliarden-Mandate hoffen
Für die DWS soll die Partnerschaft mit der Frankfurter Leben gleich zwei "strategisch attraktive Wachstumsfelder" stärken, wie es in der Pressemitteilung heißt: das Geschäft mit institutionellen Versicherungskunden und das mit alternativen Investments.
"Wir sehen Bestandsplattformen als Wachstumsfeld, in dem wir unser Know-how gezielt einbringen können", erläutert DWS-Chef Stefan Hoops. Der Asset Manager sei "ideal positioniert, um bevorzugter Partner für das Management der alternativen Anlagen der Frankfurter-Leben-Gruppe" zu werden. Mit dem Deal "stärken wir unser institutionelles Versicherungsgeschäft und bauen unsere Präsenz im wachsenden Markt für Versicherungsanlagen aus", so Hoops.
17 Milliarden Euro von 800.000 Kunden
Athora Deutschland verwaltet ein Portfolio traditioneller Lebensversicherungen, fondsgebundener Policen und Pensionsverträge mit einem Volumen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Zusammen mit diesen Beständen wird die Frankfurter Leben künftig ein Kapitalanlagevolumen von rund 17 Milliarden Euro für etwa 800.000 Kunden betreuen.
Die Übernahme der Athora Deutschland durch die Frankfurter Leben kommt nicht völlig überraschend. Schon vor knapp zwei Wochen hatten Insider von einer entsprechenden Annäherung berichtet. Bereits im Januar war bekannt geworden, dass die Athora den Verkauf ihres Deutschlandgeschäfts erwägt, weil es nicht gelungen war, das erhoffte Wachstum zu erzielen.
Die DWS liebäugelt schon länger mit dem Run-off-Business
Dass die DWS am Run-off-Geschäft teilhaben möchte, überrascht Branchenkenner ebenfalls nicht: Der Fondsanbieter war Informationen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge bereits im vergangenen Jahr Teil einer Investorengruppe, die den Run-off-Versicherer Viridium kaufen wollte. Dort bekam letztlich aber ein Konsortium um Allianz und Blackrock den Zuschlag. Ende Januar dieses Jahres wurde schließlich bekannt, dass die DWS offensichtlich einen Einstieg bei der Frankfurter Leben prüft.
Als potenzielles Übernahmeziel der Frankfurter Leben wurde seinerzeit das deutsche Lebensversicherungsportfolio der Zurich genannt. Dieses wiederum ist für die DWS von höchster Relevanz, weil der Asset Manager der mit Abstand wichtigste Fondspartner dieses Versicherers in Deutschland ist. (bm)




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