Finanzanlagenvermittler und Vermögensverwalter können für ihre Kunden unter einer Reihe an Depotbanken wählen. Zum Kreis der Anbieter gehört auch Moventum, ein Luxemburger Finanzdienstleister, der seit Mitte vergangenen Jahres zur in Warschau ansässigen Proservice Finteco Group gehört. Andreas Pál, der seit Jahresbeginn das internationale Geschäft von Moventum leitet, nimmt im Interview mit FONDS professionell ONLINE Stellung zur Positionierung seines Unternehmens und zur Konsolidierung am Markt für Fondsplattformen in Deutschland.


Herr Pál, warum kann es für einen Finanzanlagenvermittler sinnvoll sein, eine Luxemburger Lagerstelle zu wählen? 

Andreas Pál: Von der technischen Seite her macht es keinen großen Unterschied, ob das Depot in Deutschland oder in Luxemburg geführt wird. Ein Depot im Großherzogtum kann aber für bestimmte Anleger interessant sein, die höhere Summen investiert haben. Sie können von der nachgelagerten Besteuerung profitieren, weil die deutsche Abgeltungsteuer nicht sofort abgeführt wird. Der Anleger versteuert in Deutschland selbst ordnungsgemäß im Rahmen seiner Steuererklärung. Die Zeit dazwischen kann für kurzfristige Anlagen genutzt werden.


© Renée Del Missier – photography, PWC

Mit wie vielen Vermittlern aus Deutschland kooperieren Sie?

Pál: Derzeit haben wir Geschäftsbeziehungen zu rund 1.000 Beratern, die circa 30 Pools angehören. Hinzu kommen einige Strukturvertriebe. Wir arbeiten aber nicht nur mit Vermittlern zusammen. Finanzportfolioverwalter sind eine weitere Kundengruppe, für die wir das Angebot gerade weiter ausbauen. Wir entwickeln beispielsweise eine Software für die Portfoliostrukturierung. Außerdem handeln und verwalten kleinere Banken und Versicherungen die Fondsbestände und weitere Wertpapiere ihrer Kunden über uns. In Kooperation mit einigen Versicherungen bieten wir auch einen Service für Vermögende. Über ein bei uns eröffnetes einzelnes Depot kann ein Versicherungsmantel gelegt werden.

Gibt es das typische Profil eines Vermittlers, der gerne mit Moventum kooperiert statt mit einer anderen Fondsplattform?

Pál: Die erfolgreichsten Berater in unserem Kundenstamm konzentrieren sich auf die Beratung in Investmentfondsanlagen und kooperieren in anderen Geschäftsfeldern mit Kollegen in ihrer Region. Die Größe ihrer Fondsorders, die wir über Vermittler erhalten, ist im Durchschnitt höher als die bei Mitbewerbern. Außerdem kooperieren viele Berater mit uns, die aus Überzeugung mit Servicegebühren arbeiten, die wir schon seit jeher anbieten. Vielleicht ist noch erwähnenswert, dass viele Berater auch unsere gemanagten Portfolios, die fondsbasierten Vermögensverwaltungen, nachfragen, die von unserer Tochtergesellschaft Moventum Asset Management verwaltet werden. Der überwiegende Teil unserer Kunden in Deutschland, aber auch international, ist vor allem an den Wertpapier-Plattformservices interessiert.

Welche Kundengruppe sorgt für das meiste Geschäft?

Pál: Insgesamt betreuen wir weltweit im Retailbereich Assets in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. Dazu kommen noch Bestände von institutionellen Kunden, von denen ungefähr rund 650 Millionen Euro in unserer Vermögensverwaltung und in den Dachfonds investiert sind. 1,4 Milliarden Euro aus Deutschland werden über die Luxemburger Plattform administriert.

Was ist denn Ihre Kerndienstleistung? Neben den schon erwähnten Services ist Moventum auch als Transfer Agent tätig und bietet Fondsbuchhaltung für Asset Manager an.

Pál: Unser Kernbereich ist weiterhin das Wertpapier-Plattformgeschäft. Damit sind wir 2002 gestartet – übrigens zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Zusammenbruch des "Neuen Marktes" war noch nicht verdaut, aber unserer Gründer Todd Robinson wollte noch einmal durchstarten, nachdem er zuvor den US-amerikanischen Broker LPL veräußert hatte. 2002 haben wir auch unsere fondsbasierte Vermögensverwaltung gestartet, welche wir seit 2020 auch mit ETFs anbieten und die zu unseren Kerndienstleistungen gehört. Der Gedanke war, Berater zu entlasten und ihnen eine vorgefertigte Anlagelösung zu bieten, damit sie selbst nicht mehr die Depots für ihre Kunden zusammenstellen und beobachten müssen. Rebalancing und Reallokation übernehmen wir und ersparen dem Berater damit Zeit und Arbeit. Damit gehören wir zu den Pionieren der Fonds-Vermögensverwaltung und hatten somit schon vor der Einführung von Mifid I ein Angebot für Berater. 2008 haben wir diese Strategien auch in Dachfonds ausgerollt, weil Deutschland die Abgeltungsteuer eingeführt hatte. Die Fonds sind mittlerweile aber auch in anderen Ländern erhältlich. Wir haben aber auch die Produktgeber im Blick und übernehmen verschiedene Aufgaben für Asset Manager, zum Beispiel die Registerführung und die Fondsbuchhaltung.

Und weshalb ist Ihr Haus auch als Dienstleister für Fondsanbieter tätig?

Pál: Das geht auf unseren ersten Vorstandschef John Pauly zurück, der Dienstleistungen für Asset Manager anbieten wollte. Dieser Bereich wird seit 2021, nach der Übernahme von Moventum durch Proservice Finteco/Oaktree, zielgerichtet ausgebaut. Alle entsprechenden Services werden gemeinsam angeboten. Von Moventum kommen hierbei die wichtigen Vorteile wie Standort, Lizenzen und Know-how.

Sie erwähnten, dass Moventum weltweit tätig ist. Wo genau?

Pál: Die Kernmärkte sind Deutschland, Österreich und die Tschechische Republik. Abgesehen davon kooperieren wir mit Beratern in 20 Ländern bei Depotservices für Fonds, Aktien, Anleihen und anderen Instrumenten sowie bei unserer Vermögensverwaltung. Die Berater wiederum betreuen Kunden aus über 120 Ländern. Ein wichtiger Teil ist hier das Geschäft mit Expats, etwa wenn ein britischer Vermittler einen nun in Australien lebenden Mandaten betreut. Diesen Bereich wollen wir ausbauen, das ist seit Jahresbeginn auch Teil meines neuen Aufgabenbereichs. Ebenso schauen wir uns weitere Länder an, in denen wir aktiv werden können: Südafrika etwa ist ein interessanter Markt. Außerdem haben Mitarbeiter der Vereinten Nationen die Möglichkeit, in den Portfolios unserer Vermögensverwaltung anzulegen.

Ist Moventum groß genug, um alleine zu überleben? Oder steht früher oder später eine Übernahme oder Fusion an?

Pál: Kein Institut kann Zusammenschlüsse dauerhaft ausschließen – dann aber eher auf dem internationalen Parkett. Der Markt für Plattformen in Deutschland hat sich durch die bekannten Fusionen zuletzt gewandelt. Diese Konzentration sehe ich als Vorteil für uns, den ich gerne nutzen möchte.

Wir danken für das Gespräch. (jb)