Das Münchener Bankhaus August Lenz zieht sich aus dem Privatkundengeschäft zurück. Im Zuge dessen trennt sich das Institut von 42 Bankberatern und rund 5.000 Kunden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Das Haus gehört zum italienischen Finanzdienstleistungskonzern Mediolanum, der auch einen Fondseinheit betreibt. August Lenz ist in Deutschland der exklusive Vertriebspartner der Fonds von Mediolanum Asset Management.

Hinter der Entscheidung stehen bröckelnde Ertragsaussichten. Das Bankhaus habe viele Jahre versucht, die betroffenen Angebote betriebswirtschaftlich profitabler zu machen, wie Vorstandssprecher Mirko Siepmann zu Bloomberg sagte. "Dies ist uns trotz erheblicher Anstrengungen nicht gelungen", so Siepmann. Das Marktumfeld für Banken habe sich gravierend verändert.

Nur Zahlungsdienste bleiben
Ab dem 1. Januar 2021 wird das Bankhaus nun den Privatkundenbereich mit Bank- und Wertpapierdienstleistungen, Versicherungslösungen sowie Giro- und Depotkonten nicht mehr weiterführen. Bestehen bleibt nach Angaben des Bankhauses der Geschäftsbereich "Payment Services". Auf diesen würden ohnehin schon heute deutlich größere Erlösanteile entfallen. Zudem gebe es hier eine "andere Profitabilitätssituation".

Banker können Kunden mitnehmen
Seit 2001 gehört das Haus zur Mediolanum-Gruppe. Das Münchner Institut war 2016 in das Private Banking eingestiegen. Unter den 42 betroffenen Mitarbeitern beim Bankhaus August Lenz sind auch 13 Private Banker. Sie waren auf selbstständiger Basis ausschließlich für das Bankhaus tätig. Die Banker können ihre Kunden zu neuen Partnern mitnehmen, versicherte Siepmann.

Einer Studie der Managementberatung Zeb aus Münster zufolge steht das Privatkundengeschäft in Deutschland unter Druck. Demnach stagnieren die Erträge im Retailbanking. Hinzu kommt, dass besonders ausländische Anbieter wie BNP Paribas verstärkt in das Segment mit vermögenden Kunden vordringen. (Bloomberg/ert)