Die französische Großbank BNP Paribas möchte ihre deutsche Tochter Consorsbank neu aufstellen. Diese soll künftig verstärkt vermögende Kunden betreuen, die selbstständig Wertpapieren handeln. "Aus unserer Sicht macht es sehr viel Sinn, bei der Consorsbank einen stärkeren Fokus auf vermögende Privatkunden zu legen", erläutert Lutz Diederichs, der Deutschlandchef des größten französischen Geldhauses, in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt". "Digitale Lösungen für diesen Kundenkreis gibt es bislang in Deutschland nicht". 

Im Vergleich zur Konkurrenz verfüge das Online-Kreditinstitut zwar über weniger Kunden, dafür habe es aber viele vermögende Klienten und den höchsten Brokerage-Anteil, so der Banken-Chef. Mit anderen Worten: Die Kunden der BNP-Tochter handeln besonders gern und oft mit Wertpapieren. Die Consorsbank sieht das als Indiz dafür, dass sie "hier ein größeres Potenzial habe". Sie solle daher zur digitalen Plattform für vermögendere und handelsaffine Kunden entwickelt werden. Einen Schritt in diese Richtung hat das Institut schon getan und die Anlageberatung eingestellt.

Corona als Gelegenheit
Anlass der Pläne sind der Wirtschaftszeitung zufolge die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Diese führten dazu, dass Kundenbeziehungen neu definiert würden. Das wolle das Institut nutzen, "um den Kunden unsere Unterstützung zu zeigen und dadurch unseren Marktanteil langfristig steigern", zitiert das Handelsblatt Diederichs weiter.

Die Consorsbank ist seit 2002 Teil der BNP Paribas. Die deutsche Tochter beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter, die etwa 1,5 Millionen Kunden in Deutschland betreuen. Gemessen an der Kundenzahl ist die Consorsbank damit die viertgrößte Direktbank Deutschlands nach der ING, der DKB und der Comdirect – wächst als einzige allerdings seit Jahren kaum.

Keine Abschaffung des Private Bankings
Das neue digitale Angebot der Consorsbank für vermögende Kunden soll dem Bericht der Zeitung zufolge aber nicht zulasten des klassischen Private Bankings und des Wealth Managements gehen, die die BNP ebenfalls massiv ausbauen will. "Unsere Private-Banking-Kunden werden immer die Möglichkeit haben, zwischen digitalen Angeboten und persönlicher Beratung zu wählen. Durch die neue Aufstellung haben Kunden über alle Retail-Geschäftsbereiche hinweg die Möglichkeit, ihren Mix aus Beratung und digitalem Ansatz zu steuern", wird Diederichs weiter zitiert. Alle Versuche von Banken, ihre Kunden in digitale und nichtdigitale Nutzer einzuteilen, seien gescheitert. Der Kunde wolle selbst entscheiden, für welche Produkte er eine Beratung braucht und für welche nicht. (jb)