Der Mitgründer und Chef der Berliner Smartphone-Bank N26, Valentin Stalf, ist überzeugt davon, dass sein Unternehmen kein größeres Sicherheitsproblem hat als herkömmliche Banken. Dies erklärt er in einem Interview mit der "Berliner Morgenpost". 2018 war bekannt geworden, dass Kunden bei N26 mit falschen Ausweisen Konten eröffnet hatten.

"Das ist ein Problem, mit dem alle Banken zu kämpfen haben", entgegenet Stalf. Bei N26 werde dies sehr ernst genommen, die Digitalbank kooperiere eng mit den Behörden, um Betrugsfälle schnell zu melden. "Bei uns arbeitet ein Team von über 50 Leuten nur am Thema Sicherheit", so Stalf. Bei über 10.000 Konten, die täglich eröffnet würden, gebe es aber immer wieder vereinzelte Betrugsversuche. "Allerdings ist das kein digitales Problem, wenn Sie mit einem gut gefälschten Ausweis in eine Filialbank gehen, wird es Ihnen wahrscheinlich auch gelingen, ein Konto zu eröffnen", so der Fintech-Pionier.

Mit 2,3 Milliarden Euro bewertet 
N26 ist im Jahr 2013 an den Start gegangen und wird derzeit mit 2,3 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die Börsenkapitalisierung der Deutschen Bank liegt heute bei 15 Milliarden Euro. Über 2,5 Millionen Kunden weltweit zählt die Online-Bank inzwischen. Bei Einlagen von rund einer Milliarde Euro haben diese im Schnitt allerdings rechnerisch nur etwa 450 Euro auf dem Konto. Stalf beunruhigt das nicht. "Durch unser starkes Wachstum sind die Durchschnittsbeträge nur schwer vergleichbar", sagt er. Insgesamt sei N26 von den durchschnittlichen Einlagen traditioneller Banken nicht sehr weit entfernt. 

Zudem hält der 33-Jährige nicht viel davon, nur mit vermögenden Kunden Geld verdienen zu wollen. "Wir haben keine fünf Vorstandsetagen, kein Filialnetz, und unsere IT-Kosten betragen nur einen Bruchteil der Kosten einer traditionellen Bank", erklärt er. Dank der schmalen Fixkosten könne sein Unternehmen auch Studenten ein vernünftiges Produkt anbieten und langfristig ein profitables Geschäft aufbauen. Gelingen soll dies in erster Linie mit dem Kartengeschäft, mit Premiumkontomodellen, Überziehungskrediten und Spar- sowie Anlageangeboten. "Wir haben ein wirklich digitales Produkt, das einfach zu bedienen ist und für das Smartphone gebaut wurde. Dadurch sparen wir unseren Kunden viele mühsame Bankprozesse, die bei uns digital funktionieren."

Vielleicht auch Versicherungen
Darüber hinaus prüft die Smartphone-Bank, wie sich ihr Geschäft mit einem Angebot an Versicherungen verbinden lässt. "Wenn sich etwa ein Kunde einen Skipass kauft, dann könnte er über unsere App eine Unfallversicherung hinzubuchen – mit einem Klick", sagt Stalf. Mögliche Modelle schaue sich das Unternehmen gerade an, auch zusammen mit dem neuen Miteigentümer Allianz.

In den kommenden zwei Jahren möchte Stalf die Kundenzahl auf zehn Millionen steigern. "Kunden bleiben im Schnitt zehn bis zu 15 Jahren bei einer Bank, daher zahlen sich die Investitionen in Wachstum langfristig aus", erklärt er. In den nächsten drei bis vier Monaten soll es dann auch endlich an den US-Markt gehen. Mehrfach war dieser Schritt angekündigt, aber immer wieder hinausgezöggert worden. "Bisher dominiert dort keiner das Bankgeschäft mit einem guten digitalen Produkt. Diese Chance wollen wir wahrnehmen", sagt Stalf. In Europa sei N26 bereits klar Marktführer, abgesehen von Großbritannien, wo das Unternehmen erst kürzlich gestartet ist.

Kein klassischer Banker
Als traditionellen Banker sieht sich der N26-Chef nicht. "Wir haben zwar eine Banklizenz und bieten unseren Kunden mit dem Konto und der Mastercard ein klassisches Bankprodukt an – aber ein Großteil unserer Mitarbeiter sind Programmierer und Designer", sagt Stalf. (am)