Die Gothaer Lebensversicherung hat sich per Unterlassungserklärung dazu verpflichtet, geltendes Auskunftsrecht ihrer Kunden nicht länger zu ignorieren. Dies teilt die Verbraucherzentrale Hamburg mit, die im Team der Marktwächter Finanzen für Versicherungen zuständig ist. Die Marktwächter-Experten hatten die Gothaer zuvor wegen Irreführung abgemahnt.

Ausgangspunkt war der Fall eines Verbrauchers aus Nordrhein-Westfalen. Dieser hatte das Versicherungsunternehmen um eine Aufstellung aller von ihm gezahlten Beiträge für seine 1999 abgeschlossene fondsgebundene Lebenspolice gebeten, was die Gothaer ablehnte. Als Begründung gab der Versicherer an, es handele sich um ein reines Auskunftsbegehren. In solchen Fällen würde die Summe der bisher gezahlten Beiträge nicht errechnet, da dies zu aufwendig sei.

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist diese Ablehnung jedoch rechtswidrig. Denn: Paragraf 155, Absatz 1, Nummer 5 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) formuliert seit dem 1. Juli 2018 einen eindeutigen Auskunftsanspruch des Vertragsnehmers. Er gilt für alle Versicherungen mit Überschussbeteiligung.

Gewünschte Infos erteilt 
"Wir begrüßen es, dass die Gothaer ihre gesetzliche Auskunftspflicht jetzt doch anerkennt und dem geschädigten Verbraucher die gewünschten Informationen erteilt", sagt Sandra Klug, Teamleiterin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Dennoch sei es bedauerlich, dass es oft erst des Drucks des Verbraucherschutzes bedürfe, ehe Verbraucher wirklich zu ihrem Recht kämen. 

Den Anstoß für eine Verschärfung der in Paragraf 155 VVG formulierten Auskunftspflichten hatte eine Marktwächter-Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg im Juni 2016 gegeben. Die Verbraucherschützer hatten die Standmitteilungen zahlreicher Lebensversicherungen analysiert und dabei Defizite in Bezug auf Transparenz, Informationsgehalt und Vergleichbarkeit aufgedeckt. (am)