Für überzeugte Dienstleister gilt: "Wenn der Kunde es wünscht, dann bekommt er es". Weil auch Versicherungsnehmer immer häufiger nachhaltige Produkte nachfragen, haben die Gesellschaften reagiert. Zum einen haben sie das Angebot von ESG-konformen Portfolios bei Fondspolicen zuletzt stark ausgebaut. Zum anderen versuchen sie, ihre gesamten Kapitalanlagen, den sogenannten "Deckungsstock", entsprechend umzustellen. Schließlich werden immer noch Klassik- und Index-Policen sowie fondsgebundene Produkte mit Garantie nachgefragt, die auf dem Deckungsstock basieren. Hierbei haben die Versicherer im Prinzip zwei Möglichkeiten, wie Experten FONDS professionell berichten – und beide brauchen ihre Zeit.

Streng genommen existieren sogar drei Konzepte, eines ist aber nicht "gangbar": der Aufbau eines neuen separaten Sicherungsvermögens nach strengen Nachhaltigkeitskriterien. "Das ist in der aktuellen Situation zum Scheitern verurteilt", erklärt Guido Bader, Vorstand Leben und Kapitalanlage bei der Stuttgarter Versicherungsgruppe und bis vor kurzem Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung. "Die niedrigen Zinsen machen es unmöglich, ein neues, hinreichend sicheres Portfolio zusammenzustellen, mit dem eine auskömmliche Rendite erwirtschaftet werden kann."

Gelder zuordnen
Die erste realistische Möglichkeit fußt auf dem "Zuordnungsansatz": Versicherer garantieren hierbei, dass wenigstens die Gelder, die in eine nachhaltig ausgerichtete Police fließen, auch entsprechend angelegt werden. Ein bekanntes Beispiel ist die "Grüne Rente" der Stuttgarter, in der aktuell rund 320 Millionen Euro nach ESG-Kriterien investiert sind. "Das ist aber eine fiktive Zuordnung, weil alles in einen Deckungsstock fließt", erklärt Bader. Andere wie Neue Leben, HDI Leben, der Volkswohl Bund, die Continentale, die Nürnberger und die Barmenia bieten ähnliche Konzepte.

Weg Nummer drei, der sogenannte "Transformationsansatz", dürfte der gebräuchlichste sein:  Hierbei verspricht der Versicherer, den Deckungsstock bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nachhaltig umgeschichtet zu haben oder bestimmte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen – wobei sich Zuordnungs- und Transformationsansatz nicht gegenseitig ausschließen. Die Allianz Leben, die sich ebenfalls zu den ESG-Vorreitern zählen darf, hat sich beispielsweise verpflichtet, ihr Portfolio bis 2050 klimaneutral auszurichten.

"Engagement"
Um die Kapitalanlagen zu transformieren, gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten. Eine ist der "Engagement-Ansatz": "Wir versuchen zusammen mit den Unternehmen, deren Aktien oder Anleihen wir halten, Verbesserungen herbeizuführen", erläutert Gabriele Recke, Head of Sustainability der Allianz Leben, diese Vorgehensweise. Diese betrifft sowohl deren Produkte als auch die Firma selber. "Auf diese Weise können wir je nach Unternehmen den Klima- und Umweltschutz vorantreiben oder auch die Rechte von Arbeitnehmern stärken. Die Allianz kann als großer Investor sehr viel Einfluss nehmen und so die Realwirtschaft verbessern", ist sie überzeugt.

Die andere Möglichkeit ist das sukzessive Umschichten in nachhaltige Assets. Hört sich simpel an, birgt aber schon wegen der schieren Summe von mehr als einer Billion Euro, die die Versicherer managen, einige Probleme. "Wenn eine hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft, kann es zu einer Blasenbildung und damit zu überhöhten Preisen kommen", warnt Bader. "Das Problem besteht grundsätzlich bei allen Assets, seien es Aktien, 'grüne Anleihen' oder auch Sachwerte wie Windparks und Photovoltaikanlagen." Dieses Risiko muss in Zeiten von Solvency II natürlich mit Eigenkapital abgesichert werden. (jb)


Den vollständigen Artikel über die Nachhaltigkeitsbemühungen deutscher Lebensversicherer finden Sie in der Heftausgabe 2/2021 von FONDS professionell. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.