Bei der Raiffeisen KAG hat sich das verwaltete Volumen in nachhaltig gemanagten Produkten im Jahr 2019 auf 6,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt (plus 110 Prozent). Das geht aus Unterlagen zu den jüngst veröffentlichten Jahreszahlen des Wiener Unternehmens hervor. Damit entfällt grob kalkuliert ein Sechstel des verwalteten Vermögens auf dieses Segment.

Überraschung in Italien
Teilweise überraschte die starke Performance des Bereichs sogar die Verantwortlichen selbst. So habe sich das gesamte Fondsvolumen in Italien zwischen 2016 und um 52 Prozent auf vier Milliarden Euro erhöht – wobei ausgerechnet die Nachhaltigkeit trotz anfänglicher Skepsis inzwischen der wichtigste Verkaufsaspekt sei. "Italien ist eine große Überraschung für uns. Noch vor wenigen Jahren wollte dort niemand etwas von nachhaltigen Fonds wissen, mittlerweile ist auch dort Nachhaltigkeit der Wachstumstreiber schlechthin", sagt der für Zentral- und Osteuropa (CEE) und Italien zuständige Geschäftsführer Michal Kustra.

Italien ist damit nach Österreich und vor Deutschland sowie CEE der größte Einzelmarkt für die KAG. Gerade in CEE erwarte man sich als unmittelbare Auswirkung des EU-Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen sehr hohe Aufholeffekte in Sachen "grünes Investieren".

Fondssparpläne legen kräftig zu
Besonders positiv haben sich bei der Raiffeisen KAG auch die Fondssparverträge auf das Geschäft niedergeschlagen. In den vergangenen drei Jahren wuchs deren Zahl um 12.421 auf insgesamt rund 353.000. Anleger würden hier immer häufiger zugreifen, weil sie Alternativen zu zinsbasierten Sparformen suchten, sagt Rainer Schnabl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Raiffeisen KAG. Einmal mehr beweisen sich auch hier nachhaltige Produkte als Zugmaschinen: Die Zahl der entsprechenden Fondssparverträge verdreifachte sich im selben Zeitraum auf 65.352.

Wie hoch das Wachstum der Raiffeisen KAG im Vorjahr insgesamt war, dafür gibt es unterschiedliche Berechnungsansätze. In den Unterlagen nennt das Unternehmen nur eine auf drei Jahre annualisierte Rate von durchschnittlich acht Prozent und kommt auf Assets under Management von aktuell 38,3 Milliarden Euro. Allerdings hat die KAG hier auch das sogenannte Advisory eingerechnet – also das Volumen von Fonds anderer Anbieter, die nur von Portfoliomanagern der Raiffeisen KAG gesteuert werden.

Vergleich mit Erste Asset Management
Das hat aus Raiffeisen-Sicht vor allem den Vorteil, dass es im Marktvergleich schöner aussieht. Denn der ewige Konkurrent Erste Asset Management kommt nach der Fusion mit der Tochter Erste Sparinvest im Vorjahr zufällig auch auf 38,3 Milliarden Euro – allerdings nach Zählung der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), die das Advisory nicht inkludiert. Nach VÖIG-Rechnung kommt die Raiffeisen KAG per Ende 2019 auf 35,6 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von 17,8 Prozent zum Jahr davor. Hier ist aber die Eingliederung der Raiffeisen Salzburg Invest KAG im Vorjahr zu berücksichtigen, die rund 1,2 Milliarden Euro beiträgt. Ohne die Salzburg Invest liegt das Wachstum des verwalteten Vermögens bei knapp 14 Prozent. (eml)