Das erste Sozialpartnermodell kommt. Die Talanx Versicherung und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) haben sich einer Pressemitteilung zufolge darauf verständigt, eine entsprechende Vereinbarung für eine Betriebsrente ohne explizite Garantien bis Jahresende zu schließen. Die Umsetzung soll durch die beiden Konsortialpartner der "Deutschen Betriebsrente" – die Zurich und die Talanx selbst – erfolgen, sobald die Finanzaufsicht Bafin grünes Licht gegeben hat.

Damit wird es dann rund zwei Jahre gedauert haben, bis das von der damaligen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Rahmen des Anfang 2018 in Kraft getretenen Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) forcierte Modell erstmals umgesetzt wird. Dieses erlaubt es den namengebenden Sozialpartnern – Arbeitgeber und Gewerkschaften –, sich im Rahmen von Tarifverträgen auf eine reine Beitragszusage bei einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu einigen. Die Arbeitgeber haften bei diesen Zielrenten damit weder für eine bestimmte Rendite noch für den Erhalt der Beträge. Jegliche Formen von Garantien sind sogar explizit verboten.

Modell auf der Kippe?
Der Grund für die lange Zeitdauer bis zum ersten Abschluss ist, dass sich viele Arbeitgeber und Gewerkschaften, die hierbei zwingend kooperieren müssen, noch in keinem Fall zur Zusammenarbeit hatten durchringen können. Daher gab es jüngst sogar Berichte, dass Berlin das Sozialpartnermodell möglicherweise kippen könnte. Die von der Regierung eingesetzte Kommission "Verlässlicher Generationenvertrag" vertritt nämlich die Auffassung, dass zur Stärkung der bAV ein Pflichtsystem nötig sei, was dem freiwilligen Sozialpartnermodell zuwiderläuft. Ein Stopp für die Nahles-Rente wäre damit nicht auszuschließen gewesen, dürfte nun aber unwahrscheinlich sein – auch dank der Talanx in ihrer Doppelfunktion als Arbeitgeber und Anbieter der Betriebsrente.

"Das Sozialpartnermodell lebt – allen Unkenrufen zum Trotz", sagt Fabian von Löbbecke, bAV-Vorstand der Talanx und zugleich mitverantwortlich für "Die Deutsche Betriebsrente". "Rund zwei Jahre nach der Einführung des BRSG haben wir in Verdi einen wichtigen Partner gefunden, mit dem wir jetzt die Grundlage geschaffen haben, um das neue Altersvorsorgemodell unseren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugänglich zu machen", lässt sich von Löbbecke in einer Pressemitteilung zitieren. Die Verhandlungen würden sehr konstruktiv und zielorientiert verlaufen.

Haustarifvertrag zwischen Talanx und Verdi
Konkret bietet der Talanx-Konzern seinen rund 12.000 inländischen Arbeitnehmern eine zusätzliche Betriebsrente über das Sozialpartnermodell an. Auch die Zurich beabsichtigt, entsprechende Verhandlungen mit Verdi aufzunehmen. Basis des Sozialpartnermodells bei Talanx ist ein Haustarifvertrag, den die Gewerkschaft und der Konzern aktuell aushandeln. 

"Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann das Sozialpartnermodell ein sinnvoller Baustein für finanzielle Sicherheit im Alter sein", sagt Martina Grundler, Fachgruppenleiterin Versicherungen bei Verdi. "Dass Talanx als erster Arbeitgeber in Deutschland dieses neue Vorsorgeinstrument nun gemeinsam mit uns plant einzuführen, ist gerade für Beschäftigte mit geringen Einkommen ein wichtiger Schritt bei der Absicherung gegen die Altersarmut und kann als Muster für andere Unternehmen dienen." (jb)