Netfonds-Chef: "Können jetzt noch schneller noch relevanter werden"
Was hat die Netfonds-Eigner dazu bewogen, ihre Firma an Warburg Pincus zu verkaufen? Vorstandschef Martin Steinmeyer weist im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE auf einen bislang wenig beachteten Punkt hin: Der Maklerpool will künftig Investmentbestände aufkaufen – im großen Stil.
Ein wesentlicher Grund für die Entscheidung von Netfonds, der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus zuzustimmen, war der Wunsch, ein Nachfolgemodell für Finanzberater anzubieten. Das sagte Martin Steinmeyer, der Vorstandschef und einer der Ankeraktionäre des Hamburger Finanzdienstleisters, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.
"Früher haben viele Maklerpools – auch wir bei Netfonds – die Position vertreten, sich aus dem Endkundengeschäft möglichst herauszuhalten und als reiner B2B-Dienstleister aufzutreten", so Steinmeyer. Man habe jeden Eindruck vermeiden wollen, in Wettbewerb zu den eigenen Kunden, den Finanzberatern, zu treten. "Doch die Demografie schlägt unerbittlich zu. Es ist absehbar, dass sich immer mehr Berater zur Ruhe setzen und ihren Bestand verkaufen möchten. Dafür müssen wir eine Lösung bieten – nicht zuletzt deshalb, weil wir als Unternehmen ein großes Interesse daran haben, die Bestände bei uns auf der Plattform zu halten."
"Im Investmentbereich gibt es bislang nur kleinere Anbieter"
Im Idealfall kümmere sich ein Vermittler rechtzeitig selbst um dieses Thema. "Ich freue mich für jeden Berater, dem es gelingt, im eigenen Unternehmen einen Nachfolger aufzubauen oder sein Lebenswerk im Alter zu verkaufen", betont Steinmeyer. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das nicht der Regelfall ist."
Daher habe Netfonds vor rund zwei Jahren damit begonnen, intensiv an tragfähigen Nachfolgemodellen zu arbeiten. "Im Versicherungsbereich sind bereits mehrere kapitalstarke Aufkäufer aktiv, im Investmentbereich gibt es bislang dagegen nur kleinere Anbieter", so der Netfonds-Vorstand. "Das möchten wir ändern."
"Einstieg in ein neues Geschäftsfeld"
Bisher sei insbesondere das Konzept der Maklerrente verbreitet, bei dem der Verkäufer über mehrere Jahre hinweg an den Provisionen aus seinem alten Bestand partizipiert. Für den Käufer sei das attraktiv, weil er bei diesem Modell kein eigenes Kapital einsetzen müsse. "Allerdings kommt die Maklerrente nur für einen Teil der Berater in Frage. Viele haben jahrelang auf ihren Ruhestand hingearbeitet und möchten ihr Unternehmen auf einen Schlag zu einem fairen Preis verkaufen", meint Steinmeyer. "In diese Lücke möchten wir stoßen. Das bedeutet für uns in der Konsequenz den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, für das sowohl Kapital als auch eigene Prozesse vonnöten sind."
An dieser Stelle kommen Warburg Pincus und Blau Direkt ins Spiel – der Lübecker Maklerdienstleister gehört seit knapp vier Jahren zum Portfolio des angelsächsischen Investors und soll fortan eng mit Netfonds zusammenarbeiten. "Die Blau-Direkt-Tochtergesellschaft Tjara bietet die gesamte Infrastruktur, die es für dieses Geschäft braucht, vom Vertragswerk bis hin zur technischen Übertragung und Betreuung des Bestands", sagt Steinmeyer. "Bislang ist die Tjara nur im Versicherungsbereich tätig. Die Idee ist, künftig auch Investmentbestände zu übernehmen."
"Bisherige Ziele übertreffen"
Der Einstieg in dieses Geschäftsfeld sei ein wichtiger, aber natürlich nicht der einzige Grund dafür gewesen, Warburg Pincus an Bord zu holen. Netfonds sei nach dem Aufbau der neuen Finfire-Plattform auch ohne externen Investor gut aufgestellt gewesen, betont Steinmeyer. "Wir sind in den vergangenen Jahren im Schnitt um 15 Prozent per annum gewachsen – ich kann daher nicht erkennen, warum wir ein Wachstumsproblem gehabt haben sollen. Mit Warburg Pincus und Blau Direkt bietet sich jetzt die Chance, noch schneller noch relevanter zu werden und unsere bisherigen Ziele zu übertreffen. Wir haben den Anspruch, nicht ein Marktteilnehmer von vielen zu sein, sondern gemeinsam den Markt zu gestalten." (bm)















