Die Deutsche Familienversicherung hat zehn Prozent minus einer Aktie des Oberurseler Maklerpools BCA übernommen. Verkäufer ist die BBG Betriebsberatungs GmbH aus Bayreuth, ein Servicedienstleister für die Assekuranz. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Transaktion setzt einen vorläufigen Schlusspunkt unter den Umbau des BCA-Aktionärskreises. Im Januar 2017 hatte die BBG gut 45 Prozent der BCA-Aktien vom Firmengründer Jens Wüstenbecker übernommen. Schon damals war klar, dass die BBG lediglich als "Zwischenhändler" fungieren möchte – die Anteile sollten in kleineren Paketen an Versicherer und Fondsanbieter verkauft werden.

Das ist gelungen. Im Dezember 2017 stiegen die Mylife Lebensversicherung und die Süddeutsche Krankenversicherung bei der BCA ein, im Mai die Haron Holding von Starfondsmanager Luca Pesarini und nun die Deutsche Familienversicherung. Sie erwarben jeweils knapp zehn Prozent der BCA-Aktien. Schon zuvor hatten sich vier Versicherer an dem Maklerpool beteiligt (siehe Tabelle unten).

Acht Versicherer und ein Fondshaus unter den Aktionären
Dass die Unternehmen alle unter zehn Prozent der Anteile halten, hat einen einfachen Grund: So müssen sie die Beteiligung nicht in ihrem Konzern konsolidieren, außerdem ersparen sie sich ein Inhaberkontrollverfahren, das andernfalls wegen der BCA-eigenen Bank für Vermögen nötig gewesen wäre.

Außerdem legt die BCA Wert darauf, nicht von einem einzigen Versicherer dominiert zu werden. Mit nun neun Produktanbietern im Aktionärskreis kann der Maklerpool weiterhin argumentieren, eine unabhängige Produktauswahl zu verfolgen. Möglicherweise steigt noch ein zehnter Anbieter bei der BCA ein. Die BBG hält noch rund 6,6 Prozent der Anteile.

Einziger Wermutstropfen: Von den neun Großaktionären stammen acht aus dem Versicherungslager. Einzig die Haron Holding, zu der die Mainfirst Bank samt Asset Manager und der Fondsanbieter Ethenea gehören, kommt aus der Investment-Ecke. Als der Aufsichtsrat im vergangenen Jahr zudem noch den einstigen Versicherungsvorstand Rolf Schünemann zum Vorstandschef kürte, kamen Befürchtungen auf, die BCA würde zu einem Versicherungspool umgebaut. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE versicherte Schünemann Ende vergangenen Jahres jedoch: "Die BCA steht für Investment – und das wird auch so bleiben."

"Vertriebsweg 'Makler' wird sogar an Wichtigkeit gewinnen"
Der jüngste Zugang im Aktionärskreis, die Deutsche Familienversicherung (DFV), gilt trotz des traditionell klingenden Namens als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Das Frankfurter Unternehmen bezeichnet sich selbst als "der erste digitalisierte Versicherer und das erste funktionierende Insurtech am deutschen Markt".

Die Digitalisierung bedeute jedoch nicht, dass der Vertrieb der Zukunft nur noch online stattfinden wird, sagt DFV-Vorstandschef Stefan Knoll. "Im Gegenteil: Die digitale Transformation verlangt einen klugen Mix an Vertriebswegen, dazu gehört auch der Maklervertrieb." Die digitale Leistungsfähigkeit des Versicherungsunternehmens solle den Maklern und Vermittlern den Vertrieb so einfach wie möglich machen.

DFV-Vertriebsvorstand Stephan Schinnenburg bezeichnet den Einstieg bei der BCA als "klares Bekenntnis der Deutschen Familienversicherung zur Zukunftsfähigkeit des Versicherungsvertriebes über Makler und Vermittler". Schinnenburg: "Ich bin davon überzeugt, dass der Vertriebsweg 'Makler' nicht nur bestehen bleibt, sondern in den nächsten Jahren sogar an Wichtigkeit gewinnen wird." (bm)

 

Die Aktionäre der BCA im Überblick

BCA-AktionärSparteEinstiegAnteil
Barmenia KrankenversicherungVersichererJuni 20099,99%
Signal Iduna HoldingVersichererJuni 20099,99%
Stuttgarter Versicherung HoldingVersichererJuni 20099,99%
Volkswohl Bund VersicherungenVersichererJuni 20099,99%
Ideal LebensversicherungVersichererApril 20139,99%
Mylife LebensversicherungVersichererDezember 20179,99%
Süddeutsche KrankenversicherungVersichererDezember 20179,99%
Haron Holding*Fonds/Bank**Mai 20189,99%
Deutsche Familienversicherung*VersichererJuli 20189,99%
BBG Betriebsberatungs GmbH***DienstleisterJanuar 20176,57%
BCA  3,33%
Streubesitz  0,18%

* Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamtes.
** Die Haron Holding ist Eigentümer des Fondsanbieters Ethenea und der Mainfirst-Gruppe.
*** Die BBG erwarb im Januar 2017 45,22 Prozent der BCA-Aktien von Firmengründer Jens Wüstenbecker. Zuvor war das Unternehmen schon mit rund 1,3 Prozent an der BCA beteiligt gewesen. Vier Aktienpakete mit jeweils 9,99 Prozent wurden seither veräußert.
Quelle: BCA/eigene Recherchen; Stand: 5.7.2018