Der neue Commerzbank-Vorstandschef Manfred Knof hat seine Umbaupläne vorgelegt. Demnach soll in Deutschland jede dritte Stelle wegfallen und gut die Hälfte der Filialen dicht machen. Weltweit streicht das zweitgrößte deutsche Geldhaus 10.000 Jobs. "Wir wollen uns auf die Stärken der Commerzbank konzentrieren und damit ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig sichern", sagte Knof, der Anfang des Jahres den Chefposten von Martin Zielke übernommen hatte.

Konkret werden 450 der derzeit 790 Filialen geschlossen. Das Dienstleistungsangebot soll generell digitaler ausgerichtet werden. Damit will Knof die Kosten um 1,4 Milliarden Euro drücken, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters". Die Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) soll bis zum Jahr 2024 auf 6,5 bis sieben Prozent klettern. Im Jahr 2019 lag die Kennziffer lediglich bei 2,4 Prozent. Der Umbau verursacht zunächst allerdings Kosten: Knof rechnet mit 1,8 Milliarden Euro. Zudem sollen 1,7 Milliarden Euro in den Ausbau der IT fließen, so der Finanznachrichtendienst "Bloomberg".

Unzufriedene Aktionäre
Knof legte damit seine Pläne vor, wie er das strauchelnde Institut wieder auf Kurs bringen will. Der ehemalige Deutsche-Bank-Manager hat zu Jahresbeginn Martin Zielke an der Bankspitze abgelöst. Dieser hatte im Juli 2020 zusammen mit Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann seinen Rücktritt angeboten. Auslöser war ein Streit mit den Anteilseignern. Insbesondere der Großaktionär Cerberus hatte auf eine Ablösung Zielkes gedrängt, da dem US-Fonds die Sparpläne nicht weit genug gingen.

Die alte Führungsriege hatte Medienberichten zufolge ihre Strategie noch nachgeschärft. So soll auch Zielke letztendlich den Abbau von 10.000 Stellen und den Wegfall von 450 Filialen einkalkuliert haben. Als wenig ambitioniert galt hingegen die angestrebte Eigenkapitalrendite von vier Prozent. Das Institut hatte zudem praktisch sämtliche seit 2016 ausgerufenen Ziele verfehlt, was den Unmut der Eigner zusätzlich schürte.

Erleichterung bei Commerz Real
Knof hingegen stellt nun klar die Rendite über andere Ziele wie ein dichtes Filialnetz. "Die Bank stellt künftig Profitabilität vor Wachstum", sagte der neue Vorstandschef. Er hatte die Mitarbeiter kürzlich bereits in einem Brandbrief auf harte Einschnitte eingestimmt. Aufatmen können der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge hingegen die rund 730 Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Commerz Real in Wiesbaden. Dort fallen nach Informationen der Zeitung keine Stellen weg. Denn das Geschäft mit dem Immobilienfonds Hausinvest oder dem neuen Fonds Klimavest laufe gut. (ert)