Neuer Vertriebsriese entsteht: Swiss Life schluckt Telis
Die Telis-Gruppe gehört künftig der Swiss Life Deutschland. Damit zieht die Finanzberatungssparte des Versicherers gemessen an den Provisionserlösen an MLP vorbei – und wird zum zweitgrößten Finanzvertrieb des Landes, direkt hinter der DVAG.
Swiss Life Deutschland übernimmt die Telis-Gruppe um den Finanzvertrieb Telis Finanz und die Schwestergesellschaften Deutsches Maklerforum (DMF) und DEMA Deutsche Versicherungsmakler (DEMA). Das teilt der Versicherer mit, der damit seine eigene Finanzvertriebsorganisation mit Swiss Life Select, Tecis, Horbach und Proventus ausbaut.
Zum Kaufpreis haben Swiss Life und die bisherigen Telis-Besitzer um die Hauptanteilseigner aus der Gründerfamilie um Klaus Bolz und André Bolz Stillschweigen vereinbart. Der Zusammenschluss soll nach Erhalt aller behördlichen Zustimmungen im dritten Quartal des laufenden Jahres erfolgen. "Durch den Zusammenschluss mit Telis wächst unsere Beratungsorganisation weiter", sagt Swiss-Life-Deutschland-Chef Dirk von der Crone.
Erlöse von mehr als einer Milliarde Euro
Mit der Fusion gehören rund 1.800 Beraterinnen und Berater, die der Mitteilung zufolge 2025 Gesamterlöse von mehr als 200 Millionen Euro erzielten, zur Swiss-Life-Gruppe. Für deren Vertriebe sind rund 6.200 Berater tätig, die 2025 rund 800 Millionen Euro an Gesamterlösen erzielten, sodass Swiss Life künftig mit Umsätzen jenseits der Grenze von einer Milliarde Euro rechnen kann.
Mit der Übernahme schiebt sich Swiss Life gemessen an den Provisionserlösen aller Voraussicht nach vorbei an MLP auf Platz zwei der größten Finanzvertriebe Deutschlands. Nur die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) kommt auf noch höhere Erlöse.
"Vertriebliche Eigenständigkeit" der Telis soll bewahrt werden
Kern der Telis-Gruppe ist die Telis Finanz, die Verbrauchern "eine ganzheitliche Finanzberatung mit einem Produktpool aus über 300 Vertragspartnern" bietet, so die Swiss Life. Die DEMA offeriert Maklern und Vertriebsunternehmen Deckungskonzepte im privaten und gewerblichen Sachgeschäft. DMF bietet Maklern eine Online-Plattform und ein spartenübergreifendes Produktportfolio. Bei den weiteren Gesellschaften der Telis-Gruppe handelt es sich um Backoffice-Dienstleister.
Swiss Life Deutschland plant, die Marken und die "vertriebliche Eigenständigkeit" der Telis-Gruppe zu bewahren. Gleichzeitig sollen alle Vertriebsorganisationen eine gemeinsame Plattform nutzen, um "Effizienzgewinne" zu realisieren, wie es in der Pressemitteilung heißt.
Konsolidierung schreitet voran
Damit setzt sich die Konsolidierung der deutschen Vermittlerbranche fort. Zuletzt kam es zu Übernahmen und Fusionen bei Maklerpools: Netfonds schlüpfte neben Blau Direkt unter das Dach der Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus. Der auf private Krankenversicherungen spezialisierte Pool Verticus gehört seit Kurzem der Infitech-Gruppe um die Fonds Finanz an.
Die beiden Maklerverbünde Charta Börse und Germanbroker.net kündigten vor rund einer Woche ihre Fusion an. Zudem sind mehrere Aufkäufer unterwegs, die Bestände von Versicherungsmaklern sowie Finanzvermittlern übernehmen und diese in einer Gesellschaft konsolidieren.
Neues Management
Durch den Zusammenschluss wird auch das Telis-Management umgebaut: Sebastian Weigelt, bisheriger Leiter Intermediärvertrieb der Swiss Life Lebensversicherung, folgt als CEO auf Martin Pöll. Die Position des COO tritt zum gleichen Zeitpunkt Jens Kassow an, der bislang als Bereichsleiter Vertriebssteuerung bei Swiss Life Deutschland agierte.
Die Telis-Vertriebsvorstände Sven Schöntag (Telis Finanz), Tino Blumenthal (DMF) und Philipp Gruhn (DEMA) bleiben unter dem neuen Unternehmensdach an Bord. Martin Pöll und die bisherigen Haupteigner Klaus Bolz und André Bolz sollen dem Unternehmen in beratender Funktion erhalten bleiben. (jb)















