Nun auch Green Finance offiziell pleite – Anlegern droht Totalschaden
Längst blieben Rechnungen unbezahlt. Nun ist die Mutter des von umfassenden Strafermittlungen betroffenen Green-Finance-Komplexes in Liechtenstein offiziell umgefallen. Den Anlegern droht ein Totalschaden.
Die drei zentralen Gesellschaften der umstrittenen österreichisch dominierten Finanzgruppe Green Finance haben an ihrem Sitzort Liechtenstein Insolvenz angemeldet: Am Landgericht in Vaduz gingen Ende März die Insolvenzanträge für die Muttergesellschaft Green Finance Group AG, die Vermittlerdrehscheibe Green Finance Broker AG und die Finanzierungseinheit Green Finance Capital AG ein.
Den Anlegern, denen Nachrangdarlehen beziehungsweise Anleihen verkauft wurden, droht ein Totalausfall. Green Finance hatte über ihre angeblich zum Schluss 8.000 Vermittler ("Green Business Partner") sehr viel Geld bei Anlegern europaweit eingesammelt, vor allem aber in Österreich. Mit dem Kapital sollten unter anderem nachhaltige Immobilienprojekte beziehungsweise Zweige wie die Prozessfinanzierung LVA24 finanziert werden.
Geringe Einnahmen, hohe Kosten
Diese Unternehmungen hatten nur geringe Einnahmen, gleichzeitig gab es aber hohe Kosten: Rund ein Drittel des eingenommenen Geldes floss in Vertrieb und Marketing, zum anderen versprach Green Finance den Anlegern hohe Zinsen – in Unterlagen ist teils von acht Prozent zu lesen.
Ausgegeben hat die Produkte die Emissionsgesellschaft Green Finance Capital AG, die nach letzten verfügbaren (ungeprüften) Zahlen eine Eigenkapitalquote von nicht einmal einem Prozent hatte. Allein in den sechs Jahren zwischen 2018 und 2024 hat diese Einheit nach eigener Rechnung um die 100 Millionen Euro über Nachrangdarlehen und Anleihen eingesammelt.
Behördenprobleme
Der Pleite waren viele Jahre an Problemen mit den Behörden vorangegangen. In Österreich war die Finanzmarktaufsicht seit 2017 gegen Einheiten der Gruppe aktiv. Selbst die Wirtschaftskammer schritt wegen unlauterer Vertriebsmethoden ein. 2018 verlegte die Gruppe den Sitz dann nach Liechtenstein und operierte von dort aus.
Den Schritt machte sie gemeinsam mit der Sun-Contracting-Gruppe, die vergangenen November pleiteging. Beide Unternehmen standen in enger Verbindung. Ermittler gehen davon aus, dass in den Gruppen dieselben Personen das Sagen hatten. Green-Finance-Vermittler vertrieben auch die Produkte der Sun Contracting.
Ermittlungen
Die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht FMA ermittelt seit Längerem gegen den Unternehmenskomplex unter anderem wegen Konzessionsdelikten. Auch strafrechtlich ermittelt in Liechtenstein die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Organe aus dem Umfeld wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der Geldwäscherei sowie wegen diverser Finanzmarktdelikte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
In Österreich ermittelt seit 2024 die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen rund drei Dutzend Beschuldigte. Ein ehemaliger Top-Vermittler hatte Anzeige erstattet. Im Raum stehen Anlagebetrug, Untreue, Bilanzfälschung und betrügerische Krida.
Laut Veröffentlichung im liechtensteinischen "Amtsblatt" müssen Anleger der betroffenen liechtensteinischen Green-Finance-Unternehmen bis 8. Mai ihre Forderungen einreichen. Die Green-Finance-Unternehmungen in Liechtenstein hatten schon seit Längerem Rechnungen unbezahlt gelassen.
Mehrere Österreich-Einheiten der Green Finance – darunter die drei Bürokomplexe in Graz, Linz und Wien ("Green Business Center") sowie zwei Hotels und die zentrale Immobilienfirma Immowerte GmbH haben bereits vor Wochen Insolvenz angemeldet. (eml)















