Nach gerade einmal zwei Monaten im Amt wird sich Jürg Zeltner offenbar schon wieder aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank zurückziehen. Grund für den Schritt sind Bedenken der Finanzaufsicht Bafin. Diese erkennt mögliche Interessenkonflikte wegen Zeltners Position als Vorstandschef der Privatbankengruppe KBL, berichten übereinstimmend mehrere Nachrichtenagenturen. Der frühere UBS-Banker werde keinesfalls den Chefposten bei dem Luxemburger Institut aufgeben.

Dies kommt einer Schlappe für Aufsichtsratschef Paul Achleitner gleich. Dieser musste bei der letzten Hauptversammlung im Mai heftige Kritik von Aktionären einstecken. Diese zielte unter anderem auf die unglücklichen Personalentscheidungen des Chefkontrolleurs. In seiner sieben Jahre währenden Amtszeit "verbrannte" Achleitner zahlreiche Vorstandschefs. Auch das Verhältnis zum Großaktionär Katar gilt als angeschlagen.

Kontrolleur und Konkurrent
Und der spielt eine Schlüsselrolle in dem Zeltner-Drama. Denn die Katarer zählen auch zu den Investoren der KBL-Gruppe. Zeltner selbst hält ebenfalls Anteile an dem Luxemburger Institut. Wegen dieser Verquickung war er zwar von der Deutschen Bank als "nicht unabhängiges Mitglied" vorgestellt worden. KBL und Deutsche Bank konkurrieren aber obendrein in mindestens einem Geschäftsfeld miteinander: im Wealth Management.

Berichten zufolge hatten es die Frankfurter versäumt, bei der Bafin und der Europäischen Zentralbank potenzielle Einwände gegen den Kandidaten auszuloten und Benken wegen möglicher Interessenkonflikte zu zerstreuen. Um einem Veto der Aufseher zuvorzukommen, erwäge Zeltner nun den Rückzug, heißt es. Die Katarer wiederum sind offenbar bereits auf der Suche nach einem Ersatz, der sie im Kontrollgremium der Deutschen Bank vertritt. (ert)