Donnerstag, 20. August, 10.13 Uhr, Frankfurt am Main Hauptbahnhof, Gleis 5. Der Zug ist pünktlich. Da, am Kopf des Gleises, steht er: blaues Sakko, weißes Hemd, Jeans und der unvermeidliche Mund-Nasen-Schutz. So nähert er sich jetzt flotten Schrittes. Händeschütteln geht nicht in ­Zeiten von Corona. Ein sportlicher Ell­bogen-Shake tut es auch: "Hi, Alexander Mozer", sagt er – und es geht los.

Mozer hat schon einen Plan für den Spaziergang im sommerlich heißen Frankfurt. Seine beruflichen Stationen in der Stadt am Main möchte er heute noch einmal abgehen. 13 Jahre hat Alexander Mozer in der Mainmetropole verbracht. Sein Weg führte ihn von der Deka zur Cominvest, bis er 2010 schließlich den Pionier für ethisch-ökologische Geldanlage und Gründer der Fondsgesellschaft Ökoworld, Alfred Platow, kennenlernte.

Wechsel nach Wasserbillig
Bald darauf wechselte Mozer nach Wasserbillig in Luxemburg, wo die Kapitalverwaltungsgesellschaft Ökoworld Lux ihren Sitz hat. Hier leitet er seit 2011 das Management der fünf Fonds des Hauses, das 2020 sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Die deutsche Muttergesellschaft, die Ökoworld in Hilden, begeht in diesem Jahr bereits ihren 45. Geburtstag.

Mozer selbst managt das 1,4 Milliarden Euro schwere Flaggschiff, den Ökoworld Ökovision Classic, der seinen Anlegern in den vergangenen zehn Jahren eine jährliche Rendite von knapp zehn Prozent beschert hat. Zudem wählt er die Aktien für den Ökoworld Growing Markets 2.0 aus. Auf ein Volumen von 120 Millionen Euro ist der Fonds seit seiner Auflage im Jahr 2012 gewachsen, gegenüber dem MSCI Emerging Markets hat er seitdem eine Outperformance von 45 Prozent erzielt.

Die Sache mit dem Abi
Wasserbillig liegt 163 Kilometer Luftlinie von Frankfurt entfernt, wo Alexander Mozer heute auf den Spuren der Vergangenheit wandelt. Die Taunusanlage 4 soll die erste Station sein. "Dort hatte ich 1997 mein Vorstellungsgespräch bei der Deutschen Girozentrale – Deutschen Kommunalbank", berichtet Mozer. Bis es soweit war, musste er allerdings ein paar Hürden nehmen. "Die höchste war das Abitur", sagt der heutige Top-Fondsmanager mit einem so verschmitzten Lächeln, dass sich nicht gleich erschließt, ob er es ernst meint oder scherzt. Klar ist sofort: Er hat Humor.


Das vollständige Portrait von Alexander Mozer finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 3/2020 von FONDS professionell, die Ende September erschienen ist, ab Seite 120. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch hier im E-Magazin Lesen.


Die Sache mit dem Abi stimmt. Weil ihn Aktienkurse viel mehr interessieren als Englisch oder Erdkunde, schafft er es mit Ach und Krach. In seinem Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Nürnberg, das er schließlich mit er Note Eins abschließt, spezialisiert er sich auf Bank-, Börsen- und Rechnungswesen.

Lieber Fonds managen
Es geht in die Mainzer Landstraße 50. "In der fünften Etage habe ich 1998 hier als Aktienanalyst angefangen", sagt Mozer. Bald merkt er, dass er lieber Fonds managen würde. 1999 bekommt er die Gelegenheit, ins Portfoliomanagement der Deka zu wechseln, wird wenig später Teamleiter und geht 2008 zusammen mit seinem Team zur Cominvest. 2009 übernimmt Allianz Global Investors (AGI) das Haus. Mozer würde gern erneut mit seinem ganzen Team wechseln, doch weil AGI nur einzelne Fondsmanager übernehmen will, entscheidet er sich für den Ausstieg.

"Das war auch gut so", findet Mozer. Immerhin lernte er 2010 Alfred Platow kennen. "Zwischen uns hat es beim ersten Gespräch sofort gefunkt", sagt er. So steigt er am 1. Januar 2011 bei Ökoworld ein und übernimmt wenig später die Leitung des Fondsmanagements. Das Interesse am Thema Nachhaltigkeit hat er vor allem seinem Schwiegervater zu verdanken. "Er ist sozusagen ein Pionier der ersten Stunde, hat in den 1980er-Jahren schon in Solaranlagen investiert", berichtet er.

Mit Ecken und Kanten
Mit einem Pionier zusammenzuarbeiten, der das Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage mit aus der Wiege gehoben hat, fand Mozer 2011 unglaublich spannend. Funktioniert es denn in der Praxis gut mit einer solchen Ikone? "Wir sind beide Typen mit Ecken und Kanten, und das klappt besser, als wenn wir beide rund wären", erklärt Mozer.

Es geht zurück in Richtung Bahnhof. Er ärgert sich nicht, wenn Investments nicht so laufen, wie er es sich vorgestellt hat, sagt Mozer. "Ich denke, eine wichtige Eigenschaft eines starken Fondsmanagers ist es, querdenken zu können", erklärt er. "Die zweite ist, sich nicht selbst zu überschätzen, sondern bereit zu sein, Fehler einzugestehen, um sie zu korrigieren." Alexander Mozer kann beides. (am)