Konstantin Ignatov, Bruder der untergetauchten Onecoin-Gründerin Ruja Ignatova, hat gestanden, in dem System mitgewirkt zu haben. Er hat sich zu mehreren Delikten schuldig bekannt, darunter Geldwäsche und Betrug. Onecoin war im Jahr 2017 mit ersten Betrugsvorwürfen groß in die Medien gekommen.

Ignatov war bereits im März in den USA festgenommen worden. Anfang Oktober hat er einen Deal mit den Ermittlungsbehörden unterzeichnet, der aber erst Mitte November bekannt geworden war, nach dem ihn die US-Plattform Innercity Press veröffentlicht hatte (auf diesem Link geht es zum Dokument, das das Abkommen zwischen US-Justizministerium und Ignatov zeigt). Das Geständnis schützt Ignatov vor der Verfolgung weiterer krimineller Handlungen bei Onecoin oder anderer Steuervergehen. Es drohen ihm dennoch insgesamt 90 Jahre Haft.

Die Ermittler gehen davon aus, dass hunderttausende Anleger rund vier Milliarden US-Dollar verloren haben könnten. Wo das Geld ist, ist unbekannt. Als mutmaßliche Haupttäterin gilt die Bulgarin Ruja Ignatova, die sich bei ihren Auftritten vor Investoren "Dr. Ruja" oder "Cryptoqueen" nennen ließ. In Großbritannien hat die BBC eine mittlerweile acht Episoden umfassende Podcast-Serie online gestellt. In dem Land waren besonders viele Anleger auf das Onecoin-System hereingefallen.

Schneeballsystem
Vorgeblich sollten die Anleger in die Währung Onecoin investieren. Damit konnte man aber nichts Werthaltiges kaufen. Es gab lediglich angebliche "Schulungspakete" zu erwerben. Und die mit Onecoin verbundene Handelsplattform Dealshaker verfügt nur über Angebote fragwürdiger Qualität. Die Ermittlungsbehörden betrachten Onecoin als Pyramidensystem. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Sofia verspricht auf der deutschsprachigen Homepage noch immer "Nehmen Sie an der Finanzrevolution teil". Onecoin sei "die erste transparente, globale Kryptowährung für alle".

Wo sich Ruja Ignatova aufhält, ist laut dem Abkommen mit den US-Behörden auch dem Bruder der Gesuchten nicht klar. Sie ist im Oktober 2017 von der Bildfläche verschwunden. Ignatov habe seiner Schwester zuletzt Flugtickets von Sofia nach Athen über Wien gebucht, so die BBC. Sie habe angegeben, sich mit einflussreichen Personen aus Russland zu treffen.

Angst um die Sicherheit
Aus dem Abkommen zwischen Konstantin Ignatov und den US-Behörden geht hervor, dass der Zeuge Angst vor Vergeltung hat. In dem Dokument wird angeführt, dass Ignatov in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden könnte. Seine Schwester befürchtete demnach, von ihr nahestehenden Personen an Ermittlungsbehörden verraten werden zu können.

Wie die FAZ berichtet, haben allein britische Staatsbürger 100 Millionen Pfund in Onecoin investiert. Darunter befand sich auch die BBC-Journalistin Georgia Catt, die 70.000 Pfund (umgerechnet 81.700 Euro) für Onecoin ausgab. Auch in China haben demnach Ermittler im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Onecoin Anklage gegen 98 Personen erhoben und 268 Millionen Dollar sichergestellt. Verhaftungen gab es ebenso in Indien. Und in Afrika investierten Leute ebenso ihre Ersparnisse.

Prozess in den USA um Onecoin-Anwalt
In den USA dürfte laut Innercity Press diese Woche der Prozess gegen US-Anwalt Mark Scott zu Ende gehen. Er allein soll 400 Millionen US-Dollar aus dem Onecoin-Umfeld aus den USA gebracht haben, um deren Herkunft zu verschleiern. Scott plädiert auf unschuldig. In dem Verfahren hatte Konstantin Ignatov vergangene Woche Details über Onecoin ausgesagt.

In Österreich bestätigte gegenüber FONDS professionell bis jetzt die Staatsanwaltschaft St. Pölten, dass es Verfahren gegen mehrere Personen aus dem Onecoin-Vertriebsumfeld gibt. Es werde auch gegen unbekannte Täter ermittelt. Allerdings wurden bereits mehrere Verfahren im Zusammenhang wieder eingestellt, weil den Beschuldigten der Betrugsvorsatz nicht nachgewiesen werden konnte, da sie selbst getäuscht worden waren, wie es heißt. Seitens der Staatsanwaltschaft Graz gibt es noch keine Rückmeldung. An sie hatte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft einst ein Onecoin-Verfahren abgetreten. (eml)