Die sogenannten "Verwahrentgelte" oder "Guthabengebühren" für Girokonten greifen immer weiter um sich. Nun sind sie auch in der thüringischen Oberliga angekommen: Die Sparkasse Mittelthüringen berechnet Neukunden künftig ab einer bestimmten Einlagenhöhe 0,5 Prozent Strafzinsen – also jenen Betrag, den Kreditinstitute momentan ihrerseits für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen. Das meldet die Zeitung "Thüringer Allgemeine".

Der Sparkassen-Präsident von Baden-Württemberg, Peter Schneider, hatte Anfang Februar noch erklärt: Sparer müssten bei Einlagen unter 100.000 Euro keine Negativzinsen fürchten. Für Neukunden könnte es aber Ausnahmen geben. Diese Prophezeiung erfüllt sich nun schneller als gedacht. Bei der Sparkasse Mittelthüringen liegen die Freibeträge für Neukunden deutlich unter 100.000 Euro: Bei Girokonten betragen sie 20.000 Euro, bei Sparkonten 50.000 Euro.

Richter sollen entscheiden
Thüringens größte Sparkasse befindet sich mit ihrem neuen "Verwahrentgelt" in guter Gesellschaft. Immer mehr Banken und Sparkassen, große und kleine Institute, wälzen den negativen Einlagenzins der EZB auf ihre Kunden ab. Es ist allerdings möglich, dass sie bald zurückrudern müssen. Verbraucherschützer wollen gerichtlich klären lassen, ob ein "Verwahrentgelt" zusätzlich zur Kontoführungsgebühr rechtens ist. Ihre Argumentation: Das Verwahren des Geldes ist mit dem Preis für die Kontoführung bereits abgegolten. (fp)