Marcel Maschmeyer und Matthias Kurzrock lernten sich im November 2012 beim Eigenkapitalforum in Frankfurt kennen. Im Juli 2013 legten sie den Aktienfonds Paladin One auf, der Ende 2014 für externe Investoren geöffnet wurde. Seitdem managen die beiden Vorstände der Paladin Asset Management Investment AG mit Sitz in Hannover den Fonds, der in börsennotierte, tendenziell eher kleinere Unternehmen vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum investiert.

Ein Volumen von rund 230 Millionen Euro bringt der Paladin One heute auf die Waage. Seinen Investoren hat er seit der Öffnung eine Rendite von mehr als 100 Prozent beschert. Im Jahr 2018 wurde eine zweite Anteilsklasse für das Retailgeschäft aufgelegt, die Vertriebszulassungen für Luxemburg und Österreich stehen kurz bevor. Nun soll dem Paladin One ein Micro-Cap-Fonds mit Namen Paladin Origins folgen. Wie er anlegen wird und welche Investoren er adressiert, erklären Marcel Maschmeyer und Matthias Kurzrock im Interview mit FONDS professionell ONLINE.


Herr Maschmeyer, Herr Kurzrock, Sie haben den Aktienfonds Paladin One aufgelegt, den Sie seitdem gemeinsam managen. Nun wird bald der Paladin Origins an den Start gehen, der auf Micro-Cap-Werte setzt. Wie kam es zu dieser Idee? 

Marcel Maschmeyer: Der Paladin Origins konzentriert sich auf noch kleinere Werte als der Paladin One. Wir sprechen hier von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 200 Millionen Euro. In diesem Segment tummeln sich sehr wenige Investoren. Es gibt kaum, teilweise auch gar keine Analysten, die sich diese Firmen anschauen. Wir hingegen betrachten kleine Werte schon lange im Detail. Daher ist unsere Analysekompetenz im Segment der kleinen und kleinsten Unternehmen wertvoll. So ist die Idee entstanden, einen Micro-Cap-Fonds aufzulegen. 

Warum steckt der englische Begriff "Origin", zu Deutsch "Ursprung", im Namen des neuen Fonds? 

Maschmeyer: Das hat zwei Gründe: Zum einen kommen wir, was unsere Expertise angeht, ja von kleineren Unternehmen. Diese sind sozusagen unser Ursprung. Zum anderen war jedes große, erfolgreiche Unternehmen irgendwann einmal eine kleine Firma. Kleine Unternehmen sind also auch hier der Ursprung. In Europa haben wir mehrere Tausend Unternehmen, die sich in dieser Größenkategorie befinden und weitgehend unbekannt sind. Wir wollen uns aus dieser Vielzahl spannende Nischen-Player heraussuchen, sie im Paladin Origins entsprechend allokieren und mit Kapital unterstützen.

Herr Kurzrock, könnten Sie vielleicht den Investmentansatz und -prozess etwas genauer beschreiben?

Matthias Kurzrock: Gern. Unser Investmentprozess hat sich bereits seit knapp acht Jahren im Paladin One bewährt und wir werden in der neuen Strategie nicht viel ändern. Wir beginnen die konkrete Auswahl von Unternehmen aus dem Investmentuniversum immer mit einem Papier, das die wichtigsten Fragen klärt: Was tut die Firma? Wie attraktiv ist die Bewertung, wie handelbar die Aktie und was macht sie gerade jetzt interessant? Wenn der Investmentcase stimmig erscheint, folgt die detaillierte Aufarbeitung der historischen Zahlen. Am Ende steht eine schriftlich begründete Investmententscheidung auf rund 30 Seiten. So werden wir es auch beim Paladin Origins halten. Wir werden uns die Unternehmen ebenfalls stark zahlengetrieben anschauen. Und wie Marcel bereits gesagt hat, ist das Segment der kleinen Unternehmen für uns ein Terrain, auf dem wir uns zu Hause fühlen. 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Kurzrock: Nehmen wir die Medios AG, ein Unternehmen, das im Bereich Specialty Pharma tätig ist. Als wir uns mit dem Paladin One beteiligt haben, hatte Medios eine Börsenbewertung von 87 Millionen Euro. Das war damals die Größenklasse, die wir uns angeschaut und in der wir auch sehr gute Investments gefunden haben. Mit der Zeit sind die Unternehmen aber gewachsen, Medios etwa hat aktuell eine Marktkapitalisierung von über 450 Millionen Euro. Für den Paladin One ist eine Größenordnung von weniger als 100 Millionen Euro Marktkapitalisierung mittlerweile zu klein. Mit dem neuen Fonds können wir hier aber wieder fündig werden. Schließlich haben wir uns über Jahre in diesem Bereich ein wunderbares Netzwerk aufgebaut. Wir kennen viele Unternehmen und wir haben uns auch zum Ansprechpartner von Unternehmern entwickelt, die Kapital suchen.

Der Paladin One setzt auf die drei Säulen Liquidität, Aktien von Unternehmen in Sondersituationen und Value-Aktien. Wird das bei dem neuen Micro-Cap-Fonds auch so sein?

Kurzrock: Nein, Sondersituationen werden im Paladin Origins keine strategische Säule bilden. Auch die Cash-Quote kann im Zeitverlauf deutlich niedriger liegen als beim Paladin One. Stattdessen wird die Value-Säule höher sein. Da die beiden stabilisierenden Elemente nur reduziert vorkommen, kann der Fonds tendenziell eine höhere Volatilität aufweisen als der Paladin One.

Dann ist er also für Anleger mit etwas mehr Risikoappetit gedacht?

Kurzrock: Genau. Wer sich mehr Stabilität wünscht, der ist im Paladin One besser aufgehoben. Der neue Fonds wird von der Risikoklasse her sicherlich etwas höher eingestuft werden. Er eignet sich für Investoren mit längerem Atem, die bereit sind, eine gewisse Volatilität auszuhalten. Gleichzeitig können wir mit einem Micro-Cap-Fonds einen spannenden Baustein für eine echte Diversifikation im Portfolio der Anleger bieten. Denn nur so können sie an dem Potenzial echter europäischer Hidden Champions partizipieren. 

Der Paladin One ist nach Artikel 6 der Offenlegungsverordnung eingestuft. Wie sieht es denn mit dem Thema Nachhaltigkeit bei dem Micro-Cap-Fonds aus?

Maschmeyer: Er startet als Artikel-6-Fonds und wird dann auf Artikel 8 umgestellt, ebenso wie der Paladin One. Beide Fonds werden auch die Kriterien erfüllen, die nach der Ergänzung zu Mifid II erforderlich sind, damit Sondervermögen als nachhaltig angeboten werden dürfen. Wir haben die Umstellung des Paladin One bereits angestoßen, sie wird in den kommenden Monaten umgesetzt. Zusätzlich zu den externen ESG-Ratings für Unternehmen – sofern es diese gibt – erstellen wir ein internes Rating. Schließlich bieten Ratingagenturen für kleinere Unternehmen zum Teil noch keine ESG-Einstufungen an. So können wir auch in diesem Segment eine hundertprozentige Abdeckung bieten. Für jeden Publikumsfonds veröffentlichen wir dazu einen transparenten ESG-Monatsbericht. 

Wer wird den Paladin Origins managen und welches Startvolumen peilen Sie an?

Maschmeyer: Matthias Kurzrock und ich werden – so wie den Paladin One auch – den Paladin Origins gemeinsam managen. Das Volumen, mit dem der Paladin Origins starten soll, wird vermutlich zwischen zehn und 20 Millionen Euro liegen.

Und wann wird der Fonds an den Markt gehen?

Maschmeyer: Lange wird es nicht mehr dauern. Derzeit läuft die Zeichnungsphase, der erste Fondspreis ist für den 5. Oktober geplant.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Ein Portrait von Marcel Maschmeyer und Matthias Kurzrock finden Sie in der neuen Heftausgabe 3/2022 von FONDS professionell, die in Kürze erscheint.