Die Preise für persönliche Treffen mit Analysten sind im Zuge der Coronakrise drastisch gefallen. Dies ergab eine Umfrage des Analysehauses Substantive Research. Demnach sind die Gebühren für Einzelgespräche seit Beginn der Pandemie um fast die Hälfte eingebrochen. Die Tarife von Gruppentreffen sanken um 35 Prozent. Viele Begegnungen von Angesicht zu Angesicht mussten durch Gespräche per Videokonferenz ersetzt werden. In der Folge sind Asset Manager augenscheinlich nicht mehr bereit, soviel Geld für die Treffen mit externen Analysten auszugeben.

Kurioserweise stieg im Zuge des Kursverfalls an den Börsen die Nachfrage nach Aktien-, Anleihen-, oder volkswirtschaftlichen Analysen erheblich, berichtet Mike Carrodus, Geschäftsführer von Substantive Research. "Tatsächlich ist einer der von Covid-19 beschleunigten Trends der unersättliche Appetit auf Daten, Auswertungen und Werkzeuge zur Interpretation von Marktereignissen", erläutert Carrodus. "Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass Vermögensverwalter virtuelle Treffen nicht als gleichwertig zu persönlichen Interaktionen erachten."

Informeller Austausch wertgeschätzt
So schätzen die Fondsgesellschaften und deren Manager offenbar auch den informellen Teil von persönlichen Treffen, bei denen ungeplante Fragen auf den Tisch kommen und ungefilterte Einschätzungen gegeben werden, berichtet der Experte weiter. Diese Aspekte fehlen bei virtuellen Treffen. Zudem seien Online-Runden meist kürzer. Dies führe zu einer niedrigeren Bewertung und letztendlich einer niedrigeren Bezahlung. Substantive Research befragte 20 Asset Manager aus Europa und den USA, die jeweils ein Vermögen zwischen 30 und 800 Milliarden US-Dollar verwalten. Insgesamt verwalteten die befragten Unternehmen ein Volumen von 4,9 Billionen Dollar.

Der Preisverfall trifft die Analyse-Anbieter empfindlich. Denn die Branche erlebte gerade erst einen Umbruch durch die Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Mit neuen Vorgaben beendeten die Regulierer die bisherige Praxis, wonach die Kosten für Research über die Handelsgebühren abgedeckt waren, die Investmentbanken und Broker den Fondsanbietern in Rechnung stellten. Diese beiden Posten müssen nun getrennt abgerechnet und bezahlt werden. Der Großteil der Vermögensverwalter hat sich dazu entschlossen, den Aufwand aus eigener Tasche zu zahlen und nicht den Fondsvermögen und damit den Kunden anzulasten. In der Folge achten die Asset Manager genau darauf, wieviel Geld sie für Research ausgeben.(ert)