Geld allein macht nicht glücklich – nach diesem Motto treffen offenbar viele junge Menschen mittlerweile ihre Berufswahl. Langfristige Perspektiven erscheinen vielen Berufsanfängern wichtiger, als rasch viel Geld einzustreichen, berichtet Isabel Jahn von der Personal- und Unternehmensberatung HKP Group. Dennoch müssen Asset Manager kreativ sein, um junge Talente zu locken. Altgediente Mitarbeiter in der Fondsbranche wiederum müssen sich auf einen Wandel einstellen.


Frau Jahn, mehrere Faktoren dominieren derzeit die Investmentindustrie: höhere Kosten, eine schärfere Konkurrenz sowie eine striktere Regulierung. Erscheint die Branche angesichts dieses Umfelds noch für Berufseinsteiger attraktiv?

Isabel Jahn: Das Feld der Asset Manager erscheint durchaus noch interessant, wenngleich unter anderen Rahmenbedingungen. Insbesondere im Vergleich zum Investmentbanking gewinnt das Asset Management bei Arbeitnehmern sogar an Attraktivität. Die langfristige Ausrichtung der Vermögensverwaltung erscheint Berufseinsteigern heute interessanter als das lukrativere, aber kurzlebigere Investmentbanking.

Neueinsteiger suchen also einen solideren Beruf?

Jahn: Aufgaben mit Nachhaltigkeit und Substanz erscheinen jungen Menschen interessant. Das Bewusstsein für die langfristige Ausrichtung, die das Asset Management repräsentiert, ist bei den Absolventen zu spüren. Das höre ich etwa in Gesprächen oder auf Jobmessen.

Das große Geld streichen aber nach wie vor die Investmentbanker ein?

Jahn: Was das Gehaltsniveau angeht liegen das Investmentbanking und das Firmenkundengeschäft nach wie vor an erster Stelle. Danach folgen das Asset und das Wealth Management. Berufseinsteiger stehen vor der Frage, was sie wollen: schnell viel verdienen oder eine langfristige Perspektive.

Wie attraktiv sind herkömmliche Finanzdienstleister überhaupt noch als Arbeitgeber?

Jahn: Die Unternehmen stehen in einem Wettbewerb um Talente. Absolventen finden Start-ups und Fintechs oft interessanter als klassische Firmen. Wir beobachten aber, dass auch die großen Unternehmen umdenken und sich als attraktive Arbeitgeber für junge Talente präsentieren wollen. Sie überlegen, was für ein Arbeitsumfeld sie dem Nachwuchs bieten müssen.


Was Asset Manager unternehmen, um Top-Portfoliomanager im Haus zu halten und wie junge Talente angelockt werden, lesen Sie im Heft1/2019 von FONDS professionell im Artikel "Alternative Anreize" ab Seite 254. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.


Die Digitalisierung gilt zunehmend als treibende Kraft eines Wandels im Asset Management. Verändert sich damit auch das Arbeitsumfeld?

Jahn: Ja, durchaus. Tätigkeiten, die nicht so anspruchsvoll sind, werden an externe Dienstleister ausgelagert. Andere Aufgaben werden durch digitale Lösungen übernommen. Insbesondere die komplexeren Aufgaben aber, die eine gewisse Einschätzungsfähigkeit voraussetzen, bleiben im Haus. Nach wie vor wird eine umfassende Erfahrung im Fondsmanagement und im Vertrieb benötigt.

Fallen im Zuge des Wandels Stellen weg?

Jahn: Wenn an einer Stelle abgebaut wird, werden dafür meist an anderer Stelle neue Kompetenzen aufgebaut. Die Anbieter erwarten von ihren Mitarbeitern zunehmend, dass sie eine gewisse Digitalkompetenz erwerben. Das Berufsbild wandelt sich zu einem digitalaffinen Portfoliomanager, der aber nach wie vor ein profundes Finanzwissen mitbringen muss.

Sehen Sie noch weitere Umbrüche?

Jahn: Die zunehmende Internationalität der Geldanlage verändert auch das Berufsbild. Die Kunden sind immer besser über das weltweite Geschehen informiert. Daher muss auch ein Vermögensverwalter Zugang zu weltweiten Anlagen bieten. Die Mitarbeiter der Branche müssen den Blick stärker über den Tellerrand richten. Früher war Auslandserfahrung nicht so wichtig, gewinnt aber an Bedeutung. Sie ist heute Voraussetzung für eine gute Vernetzung, das Gesamtverständnis der Branche und die Einschätzung von weltweiten Entwicklungen.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)