Künstliche Intelligenz (KI) erobert deutsche Banken und macht dabei offenbar auch vor Personalabteilungen nicht halt. So sieht Thorsten Christoffer, Global Head of HR bei der NordLB, zunehmend Bewerbungen, die mit Hilfe von KI erstellt wurden. Die neue Technologie wird seinen Worten zufolge Auswirkungen auch in vielen anderen Bereichen nach sich ziehen.

"Wir bekommen immer mehr Bewerbungen, bei denen die Anschreiben offensichtlich von KI verfasst wurden. Das erkennt man", sagte Christoffer in einem Interview mit "Bloomberg News". Das sei inzwischen gängige Praxis und auch nachvollziehbar. "Wer eine Stellenanzeige hochlädt, bekommt heute von der KI ein perfektes Anschreiben."

Persönlichkeit zählt mehr als perfekte Anschreiben
Das könnte es für Arbeitgeber wie die NordLB zugleich aber auch schwieriger machen, geeignete Kandidaten aus einer Fülle an Bewerbungen herauszufischen. Christoffer macht sich da weniger Sorgen. "Perfekte Anschreiben sind für uns gar nicht mehr so wichtig", sagte er. Viel entscheidender sei "die Persönlichkeit dahinter, der Lebenslauf, das Vorstellungsgespräch".

Ohnehin setze die Personalabteilung inzwischen selbst auch KI ein. Diese erledigt laut Christoffer Standardarbeiten: "Die KI screent beispielsweise eingehende Bewerbungen dahingehend, ob das Profil der Bewerberinnen und Bewerber zu unseren Anforderungen passt."

Bei der NordLB gibt es ein Team, das sich speziell um das Thema KI kümmert – nicht nur für die Personalabteilung. Es geht in die Fachbereiche, macht auf KI aufmerksam, veranstaltet Schulungen, nimmt Wünsche zu Einsatzgebieten auf und bespricht diese anschließend mit der IT-Abteilung.

KI könnte Stellen teilweise ersetzen
Der KI-Einsatz dürfte auch zu Veränderungen bei den Arbeitsplätzen führen. Beobachtern zufolge könnte KI unter anderem Einstiegsposten gefährden, da diese Jobs oft einfache Aufgaben beinhalten wie das Zusammenfassen von Dokumenten oder grundlegendes Programmieren – also Tätigkeiten, die von vielen KI-Tools in Sekundenschnelle erledigt werden können.

"Der Einsatz von KI wird Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben. Aufgaben, Strukturen, Arbeitsabläufe werden sich maßgeblich verändern", sagte auch Christoffer. Vor diesem Hintergrund werde die interne Mobilität innerhalb der NordLB wichtiger. Gemeint ist, dass Mitarbeiter sich gegebenenfalls nach anderen Aufgaben umsehen und sich weiterqualifizieren.

Sondersituation in Deutschland
Zugleich wies Christoffer auf eine Sondersituation in Deutschland hin – den demografischen Wandel. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden bei der NordLB rund 15 Prozent der Mitarbeiter in Rente gehen. Bei anderen Banken ist der Anteil sogar noch höher. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir diese Stellen überhaupt nachbesetzen oder ob nicht auch KI die Aufgaben übernehmen kann", erklärte Christoffer. So ähnlich hatten sich zuvor auch schon andere Vertreter aus der deutschen Bankenbranche gegenüber "Bloomberg" geäußert.

So erklärte etwa Stefanie Münz aus dem Vorstand der LBBW, sie gehe davon aus, dass die Stellen nicht komplett nachbesetzt werden müssen, sondern nur etwa zur Hälfte. Das gelte beispielsweise für die Bereiche Risikoüberwachung oder Operations, in denen die LBBW durch den Einsatz von KI effizienter arbeiten könne.

KI-Kenntnisse sind keine Einstellungsvoraussetzung
Angesichts des breiten Siegeszugs von KI liegt die Vermutung nahe, dass Kenntnisse in dieser neuen Technologie heute zu den Grundvoraussetzungen für Einstellungen bei der NordLB zählen. Christoffer verneint das.

"KI-Kenntnisse sind keine Grundvoraussetzung für Menschen, die sich bei uns bewerben", erklärte er. "Aber es muss die Bereitschaft geben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und weiter zu lernen." (mb/Bloomberg)