Das Rating "PKV-Beitragsstabilität" 2022 des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) zeigt, dass die Beiträge im diesjährigen Neugeschäft der PKV-Tarife mit durchschnittlich 2,07 Prozent weiterhin leicht steigen. Dieser Trend stehe nicht im Zusammenhang mit der aktuell hohen Inflation, sondern liege wie schon in der Vergangenheit hauptsächlich am medizinischen Fortschritt und an der Alterung des Bestandes.

Das Rating gibt es zwar schon seit 2006. Doch nachdem die Gesellschaften ab Dezember 2012 Unisex-Tarife anbieten mussten, war eine exakte Beitragshistorie der jeweils letzten fünf Jahre und damit eine seriöse Bewertung der historischen Beiträge nicht mehr möglich: Die Beitragsanpassungen fielen sehr gering aus, während bei den früheren Bisex-Tarifen fünf Prozent Beitragserhöhung pro Jahr üblich waren. Daher wurde das Rating erst 2018 wieder aufgenommen.

Rating betrifft nur das Neugeschäft
Im Ratingjahrgang 2022 werden wiederum alle Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen der PKV-Tarife marktweit verglichen und zu einer Bewertung pro Tarifkombination aggregiert. Es wurden nur Tarife bewertet, die bereits seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind und Eintrittsalter zwischen 21 und 50 Jahren betreffen.

Die Aussagekraft des Ratings für Bestandskunden ist aber eingeschränkt. Bei denen hängen die Anpassungen auch von den bisherigen Alterungsrückstellungen ab und davon, ob die Prämienerhöhungen durch Entnahmen aus den Rückstellungen für Beitragserstattungen (RfB) abgemildert würden. Daher sei die RfB-Quote eine in diesem Zusammenhang interessante Größe, heißt es bei M&M.

Tendenz zu weiter leichter Beitragsanpassung im Neugeschäft
Ergebnis: Die Beiträge im Neugeschäft sind mit 2,07 Prozent im Durchschnitt weniger stark als 2021 gestiegen (2,53 Prozent). Im Jahr 2020 hatte es im Neugeschäft durchschnittlich 1,77 Prozent Beitragssteigerung gegeben, 2019 waren es 1,68 Prozent und im ersten Ratingjahrgang 2018 nach Einführung der Unisex-Tarife nur 1,44 Prozent. "Die insgesamt steigende Tendenz der Beiträge im Neugeschäft lässt sich mit den langsam alternden Beständen der Unisex-Tarifgeneration begründen", sagt Versicherungsanalyst Thorsten Bohrmann.

"Das Niveau der Bisex-Tarife mit knapp fünf Prozent Anpassungen pro Jahr ist aber noch lange nicht erreicht", so Bohrmann. Die Verteilung innerhalb der Ratingbewertung bestätigt diese Tendenz. Fünf-Sterne-Tarife, die nur eine sehr geringe Anpassung der Beiträge vornehmen, sinken in der Anzahl. Wie bereits in den Vorjahren gibt es eine leichte Verschiebung in der Sterneverteilung nach unten. "Mit 233 Fünf-Sterne-Auszeichnungen von insgesamt 994 Tarifen zeigt sich aber nach wie vor ein großer Teil sehr stabil", betont der Analyst.

Auffälligkeiten im Rating
Fast jeder vierte Tarif bekam die beste Bewertung (fünf Sterne). Dazu durften die durchschnittlichen Erhöhungen höchstens ein Prozent betragen und die Standardabweichung musste unter drei Prozent liegen. Gut jeder vierte Tarif (253) erhielt vier Sterne (sehr gut), zudem bekamen 272 Tarife eine durchschnittliche Beurteilung (drei Sterne). Allerdings wurden auch 140 Tarife schwach (zwei Sterne) und 92 gar sehr schwach (ein Stern) bewertet.

Mit großer Spreizung zwischen einerseits stabilen und andererseits stark steigenden Beiträgen bewegt sich die Tarifpalette laut Rating insbesondere bei Allianz, Barmenia, DKV, Gothaer, Huk-Coburg, Inter, LVM und Universa. Die DEVK dagegen hat ihre Unisex-Vollkostentarife in den vergangenen fünf Jahren am wenigsten verteuert und bekam wie schon im Vorjahr rundweg ausgezeichnete Noten. Mit eher niedrigen Anpassungen überzeugten auch Süddeutsche, Münchener Verein, Hanse-Merkur, Bayerische Beamtenkrankenkasse und UKV.

Assekurata sieht höhere Anpassungen
Kürzlich war der "PKV-Marktausblick 2022/2023" der Ratingagentur Assekurata bezüglich der Beitragsanpassungen etwas kritischer ausgefallen, bezog sich aber auf Bestandstarife. Nachdem die Branche die Beiträge Anfang 2021 so stark angepasst hatte wie seit 2010 nicht mehr – in der Vollversicherung um 7,7 Prozent und im Beihilfegeschäft um 5,7 Prozent –, ging es Anfang 2022 moderater zu. Assekurata verzeichnet hier in der Vollversicherung um 3,8 Prozent und im Beihilfegeschäft um 1,6 Prozent gestiegene Beiträge.

Die schwächelnde Vollversicherung lenkt den Fokus auf die Zusatzversicherung. Hier konnte der Markt 2021 weiterwachsen (+4,0 Prozent), merkt Assekurata an. Zahntarife sind mit rund 17 Millionen Stück im Bestand der Verkaufsschlager. Dies bestätigt das neue Rating zu ausgewählten PKV-Zusatzversicherungen von M&M.

Ratings zu Zahnzusatz, Krankenhausbehandlung und Krankentagegeld
Die Zahnzusatzversicherung als beliebteste Zusatzversicherung bietet über 200 Tarife, die sich vor allem stark in der prozentualen Höhe der Leistung und den immer differenzierteren Bedingungen unterscheiden. "Zunehmend wird mindestens ein Tarif angeboten, der 100 Prozent leistet", beobachtet Bohrmann und verweist auf funktionierenden Wettbewerb. Die Auswahl sei für Makler mit 123 Fünf-Sterne-Tarifen unter 34 Anbietern riesig.

Die Krankenhauszusatzversicherung bietet in aktuell 144 Tarifen im Kern die finanzielle Erstattung für die Unterbringung in Ein- oder Zweibettzimmern sowie den Zugang zur Chefarztbehandlung. Von M&M angesetzte Mindestkriterien stellten unter anderem sicher, dass die Versicherer bei Fünf-Sterne-Tarifen auf ihr ordentliches Kündigungsrecht verzichten und die Tarife eine Chefarztbehandlung enthalten, eine bessere Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer ermöglichen, ohne Eintritt eines Unfalls oder einer bestimmten Erkrankung leisten sowie über die 2,3-fachen sowie 3,5-fachen Regelhöchstsätze der Gebührenordnung für Ärzte hinaus eintreten. Die Auswahl sei für Makler mit 53 Fünf-Sterne- und 58 Vier-Sterne-Tarifen sehr gut.

Weitaus weniger nachgefragt werden Tarife zur Einkommenssicherung bei Krankheit in Form von Krankentagegeld. Die Beiträge sind im Schnitt moderat angestiegen, konstatiert M&M. Von 91 Tarifen bekamen 14 eine Fünf-Sterne-Bewertung (Barmenia, Concordia, DFV, Hallesche und Inter) sowie 23 eine Vier-Sterne-Bewertung. (dpo)


Das Beitragsstabilitätsrating (externer Link) und die Ratingmethodik (externer Link) stehen auf der Homepage von M&M zum kostenlosen Download bereit. Ebenso das Rating zu PKV-Zusatzversicherungen (externer Link).