Deutsche Sparer haben über Zinsplattformen wie Weltsparen viel Geld bei der Greensill Bank deponiert – auch im Vertrauen darauf, dass im Zweifel die gesetzliche Einlagensicherung greift. Mit der nun festgestellten Zahlungsunfähigkeit des Bremer Geldhauses ist eine Debatte entbrannt, ob man Zinsplattformen stärker regulieren sollte. Die Parteien sind geteilter Meinung, zeigt eine Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). 

Fabio De Masi von der Linkspartei sprach sich gegenüber der Zeitung für härtere Vorgaben für Einlagenvermittler aus, die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus sah in erster Linie die Finanzaufsicht in der Pflicht. Kapital bei einer in Deutschland ansässigen und regulierten Bank anzulegen sollte aus ihrer Sicht kein riskantes Investment sein: "Davon unabhängig sollten wir dies zum Anlass nehmen, die Geschäftsmodelle von Finanzvergleichsplattformen zu prüfen", sagte Paus.

Selbstbeteiligung bei Einlagensicherung
FDP-Finanzfachmann Florian Toncar hob die Vorteile von Zinsplattformen hervor. Sie würden Transparenz schaffen und damit für mehr Wettbewerb bei den Guthabenzinsen sorgen. Das dürfe aber natürlich nicht zu einer Spekulation gegen die Einlagensicherung ausarten. Die Systeme müssten deshalb durchgehend zu einem risikoangepassten Beitragsmodell übergehen: "Politisch sollten wir zudem die Verantwortung der Anleger stärken, indem wir bei der Einlagensicherung eine geringe Selbstbeteiligung im einstelligen Prozentbereich einführen", sagte Toncar der FAZ. 

Die Betreiber der Zinsplattformen wiesen die Vorwürfe zurück. Der Chef von Weltsparen, Tamaz Georgadze, hält jegliche Diskussion über eine verschärfte Regulierung von Vermittlern für "zu kurz gegriffen", weil sie nur auf einen Bruchteil des vermittelten Volumens der Greensill Bank abziele. Stattdessen müsse man schauen, wie die Arbeit der Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen, des Prüfungsverbands und der Aufsicht effizienter und reaktionsfähiger werden könne. (fp)