Der Containeranbieter P&R zog es in den vergangenen Wochen vor zu schweigen. Fragen von Kunden, Vermittlern oder Fachjournalisten wurden nicht beantwortet. Nach Bekanntwerden der Insolvenzanträge von drei P&R-Gesellschaften nimmt das Unternehmen in einer Aussendung nun Stellung. Soviel vorweg: Investoren dürften sich verschaukelt vorkommen. Denn die Insolvenz sei nur zu ihrem "eigenen Schutz" beantragt worden, heißt es.

Auslöser der Misere sei ohnehin der Containermarkt und nicht etwa ein konzeptioneller Fehler in den Produkten. Die Insolvenzanträge seien notwendig geworden, weil in einem erheblichen Umfang gegenüber den Anlegern Rückkaufe von Containern in Aussicht gestellt worden seien, die derzeit nicht zu den bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellten Rückkaufswerten durchgeführt werden könnten. Zudem könnten die fälligen Mietzahlungen nicht erbracht werden.

Zum Hintergrund: Anleger haben bei P&R Container erworben und postwendend an das Unternehmen rückvermietet. Dafür erhielten sie von P&R eine Tagesmiete, die quartalsweise ausgezahlt wurde. Die Mietverträge hatten üblicherweise Laufzeiten von drei und fünf Jahren. Nach dem Auslaufen dieser Mietverträge hat P&R die Container von Anlegern zu Preisen, die bereits zu Beginn festgelegt wurden, zurückgekauft. Die Investments liefen in Euro.

"Stille Reserven aufgebraucht"
Das Unternehmen begründet die Zahlungsunfähigkeit mit der ungünstigen Entwicklung des Containermarkts, weil von 2011 bis 2016 die Containerpreise rückläufig gewesen seien. "Trotz der sich verschlechternden Wirtschaftslage hatten die P&R-Gesellschaften den Anlegern in den letzten Jahren weiterhin die bei Vertragsschluss prognostizierten hohen Rückkaufspreise bezahlt. Dabei wurden die vorhandenen stillen Reserven aufgebraucht", erklärt das Unternehmen. Außerdem habe sich der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar nachteilig entwickelt.

Die Begründung liest sich einigermaßen überraschend: Denn einerseits rühmt sich P&R auch heute noch damit, seit über 40 Jahren für Anleger erfolgreich tätig und Marktführer bei Direktinvestments in Container zu sein. Andererseits ist das Containergeschäft schon immer zyklisch, weshalb ein so erfahrenes Unternehmen auf Marktschwankungen eigentlich mit Routine und Übersicht reagieren können müsste.

Anleger sollen die Füße still halten und abwarten
Die drei operativ tätigen Gesellschaften haben laut P&R Insolvenz angemeldet, um "die vorhandenen Werte zu schützen und ein bestmögliches Ergebnis im Interesse der Anleger durch eine geordnete Verwertung der Container unter der Kontrolle eines erfahrenen Insolvenzverwalters zu erzielen". Immerhin hätten die Anleger durch die laufenden Mietzahlungen "bis heute schon einen Teil ihres bisherigen Investments zurückerhalten".

P&R fordert die 51.000 betroffenen Investoren auf, Ruhe zu bewahren und von Anfragen an das Unternehmen beziehungsweise an die vorläufigen Insolvenzverwalter abzusehen. Anlegerinformationen sollen künftig auf der Internetseite www.frachtcontainer-inso.de veröffentlicht werden.

Die Investoren stehen zurzeit mit leeren Händen da: Sie haben weder Zugriff auf ihre Container beziehungsweise auf die Mieten, die Reedereien für ihre Container bezahlen, noch können sie die Zukunft des Unternehmens mitbestimmen.

Auf dem Programm stehen Containerverkäufe
Das Unternehmen will nun einerseits das Vermietungsgeschäft fortsetzen und andererseits "Verwertungsmöglichkeiten am Weltmarkt" nutzen. P&R warnt aber davor, die Container sofort beziehungsweise unkoordiniert zu verkaufen, weil das "ganz erhebliche" Werte vernichten würde. "Jeder Versuch in diese Richtung würde erheblichen Schaden anrichten, der bis zum Totalverlust gehen kann, und damit den Interessen der Anleger zuwiderlaufen und letztlich zu Schäden für die Anleger führe", heißt es von offizieller Seite.

Was P&R verschweigt: Die laufenden Mieteinnahmen und künftigen Erlöse aus den Containerverkäufen werden durch erhebliche Kosten für die Insolvenzverfahren belastet. Insolvenzverwalter zählen zu den teuersten Koordinatoren von Unternehmensverwertungen. (ae)