Die Pleite der P&R Gruppe ist für Anwälte ein fettes Geschäft. Seit Wochen kämpfen sie mit harten Bandagen um Mandate von Anlegern. Dabei werden nicht nur die Grenzen dessen, was Kanzeleien werblich erlaubt ist, mehrfach überschritten. Viele machen auch mit Behauptungen Stimmung, die nicht nachvollziehbar sind. Das ist vor allem bei jenen Anwälten häufig festzustellen, die sich schon mit dem Fall Magellan beschäftigt haben.

Einige Juristen brüsten sich damit, dass die Magellan-Anleger mit ihrer Unterstützung schon nach einem Jahr Auszahlungen vom Insolvenzverwalter erhalten hätten. Außerdem sei das Containerportfolio erfolgreich verkauft worden, so die vollmundigen Aussagen. Das ist mitnichten der Fall, denn die Boxen wurden, wie von FONDS professionell aufgedeckt, deutlich unter Wert verschleudert. Außerdem wurden im Sommer 2017 "nur teilweise" die Mieten ausgezahlt, die von den Reedereien in den letzten drei Monaten vor der Magellan-Insolvenz bezahlt wurden.

Fehleinschätzung der Anwälte
Nach der Insolvenz stellte der Magellan-Insolvenzverwalter wie berichtet infrage, dass die Anleger Eigentümer der Container sind. Er stützte sich dabei auf ein Gutachten der Kanzlei CMS Hasch Sigle. Die Anlegeranwälte hatten aber mit der Behauptung um Mandanten geworben, dass die Investoren uneingeschränkt Eigentümer der Container sind. Deshalb hätten sie Anspruch auf die Mieten und auf etwaige Verkaufserlöse. Sie irrten sich, denn auch ein zweites Gutachten von Professor Christoph Thole ging für die Geldgeber nur bedingt gut aus.

Der Jurist erklärte zwar, dass die Anleger Eigentümer der Container waren, die ihnen laut Eigentumszertifikat gehörten. Allerdings haben die Advokaten kaum Umsetzungsrechte: Sie konnten weder die Rückgabe der Container oder die ersatzweise Herausgabe gleicher Container verlangen und durften Anlegern nicht den Verkauf der Boxen "verbieten“. Außerdem hatten die Investoren keinen Anspruch auf die Mietzahlungen, die von den Reedereien geleistet wurden, und die "Sicherungsabtretung“ in den Verträgen zwischen Magellan und den Anlegern griff nicht. Den Anlegern stand laut Thole nur der Verkaufserlös zu.

Wer hat was gebracht?
Übrigens: Rechtsanwalt Mattil wirbt in der Causa P&R damit, dass er für das Thole-Gutachten gesorgt habe. Das stimmt allerdings nicht, denn der Insolvenzverwalter hat auf der Gläubigerversammlung im Oktober 2016 selbst vorgeschlagen, ein zweites Gutachten einzuholen, an dessen Ergebnis er sich halten werde.

Mit diesem Schachzug hatte Borchardt den aufgebrachten Investoren und Anlegeranwälten den Wind aus den Segeln genommen. Die Anleger wollten sogar wie berichtet auf ein Gutachten verzichten, um "unnötige Kosten“ zu vermeiden. (ae)