Der Aufsichtsrat des Frankfurter Büroimmobilienkonzerns Preos hat Frederik Mehlitz, den Vorsitzenden des Vorstands, am Freitag (10.12.) im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung mit sofortiger Wirkung abberufen. "Die Vorstandsgeschäfte nimmt bis auf Weiteres das weitere Vorstandsmitglied Stephan Noetzel wahr", teilt das Unternehmen mit.

Ein konkreter Grund für die Abberufung wird nicht genannt, auch nicht auf Nachfrage der Redaktion bei der Presseagentur des Unternehmens. In der Mitteilung wird jedoch auf Paragraf 84 IV des Aktiengesetzes verwiesen. In dem steht, dass der Aufsichtsrat die Bestellung zum Vorstand aus einem "wichtigen Grund" widerrufen kann. "Ein solcher Grund ist namentlich grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung", so der Wortlaut.

Mehlitz, Jahrgang 1965, arbeitete nach seinem Wirtschaftsingenieurstudium in Führungspositionen für verschiedene Großbanken, bevor er 2011 zum Preos-Großaktionär Publity kam. Dort saß er von 2014 bis 2018 im Vorstand der Holding, bis er schließlich die Leitung der Büroimmobilientochter Preos übernahm. Er galt als Vertrauter des Firmengründers Thomas Olek, der mittlerweile nur noch als Berater für die Unternehmensgruppe tätig ist.

Publity- und Preos-Aktien sacken ab
Das Konglomerat um Publity und Preos hatte in den vergangenen Monaten mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Vor rund einem Jahr machte FONDS professionell ONLINE öffentlich, dass die Publity Tippgebern hohe Provisionen zahlte, um Käufer für ihre Preos-Aktien zu finden. Später sollte die Preos-Mehrheit an einen asiatischen Mischkonzern verkauft werden, was jedoch scheiterte.

Der jüngste Plan sieht vor, dass eine Luxemburger Gesellschaft Immobilienprojekte in das Unternehmen einbringt und im Gegenzug die Mehrheit der Preos-Aktien erhalten soll. Den gebeutelten Aktien gab das zumindest kurzfristig Auftrieb – der nun wieder abrupt endete: Am späten Freitagvormittag (10.12.) notierte der Preos-Titel rund zwölf Prozent im Minus, die Publity-Aktie sackte sogar um 16 Prozent ab. Ähnlich steil nach unten wies der Chart zuletzt im April, als bekanntgeworden war, dass die Bafin Verdachtsmomenten wegen Marktmanipulation und Insiderhandel nachgeht. (bm)