Das Immobilienunternehmen Publity aus Frankfurt möchte die Mehrheit seiner Anteile an der Bürotochter Preos an einen "strategischen Investor" veräußern. "Die Ausgestaltung der Transaktion einschließlich ihres genauen Umfangs sowie die künftige Kapitalausstattung der Preos sind Gegenstand laufender Gespräche zwischen Publity und dem strategischen Investor", teilt die börsennotierte Gesellschaft in einer Ad-hoc-Meldung mit. Die Transaktion soll im zweiten Quartal dieses Jahres vollzogen werden.

Damit tut der Publity-Konzern offensichtlich das Gegenteil dessen, was Privatanlegern zuvor monatelang versprochen worden war. Das Unternehmen, repräsentiert durch seinen Großaktionär und damaligen Vorstandschef Thomas Olek, hatte zuvor stets kommuniziert, frisches Geld in die Preos stecken zu wollen, um die Expansion der Gesellschaft voranzutreiben. Die aktuelle Ad-hoc-Mitteilung dagegen deutet auf einen Rückzug der Publity hin.

Tippgeber vermittelten Aktionäre
Die Unternehmensgruppe sorgte Ende vergangenen Jahres für Schlagzeilen, nachdem FONDS professionell ONLINE über ungewöhnliche Aktiengeschäfte berichtet hatte: Die Publity verkaufte Preos-Aktien aus dem eigenen Bestand an Privatanleger. Die Anleger erhielten 15 Prozent Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs, mussten sich im Gegenzug aber dazu verpflichten, die Titel mindestens ein Jahr lang zu halten. Für den Vertrieb schaltete die Publity Tippgeber ein, die üppige Provisionen kassierten.

Ein Wertpapierprospekt für diese Geschäfte lag lange Zeit nicht vor, ein entsprechendes Dokument wurde erst Ende November veröffentlicht. Olek beteuerte Ende 2020 im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE, die Verkäufe hätten zuvor in einem Rahmen stattgefunden, in dem kein Wertpapierprospekt nötig gewesen wäre.

Der Streubesitz sollte eigentlich erhöht werden
In Calls mit Tippgebern und Investoren argumentierte Olek mehrfach, die Publity werde die Erlöse aus den Aktienverkäufen über Kapitalerhöhungen in die Preos reinvestieren. Eine ähnliche Passage findet sich im Wertpapierprospekt. Zudem solle durch das öffentliche Angebot mittel- bis langfristig der Streubesitz und damit auch die Liquidität der Preos-Aktie erhöht werden, was künftige Kapitalmaßnahmen zur Finanzierung des weiteren Wachstums erleichtere. Der nun stattdessen geplante Verkauf der Aktienmehrheit an einen strategischen Investor weist in eine völlig andere Richtung – und dürfte zahlreiche Anleger rätselnd zurücklassen.

FONDS professionell ONLINE hatte am Montagabend (25.1.) eine Presseanfrage an Olek, den aktuellen Publity-Vorstand und die PR-Agentur des Unternehmens gestellt. Die Redaktion wollte wissen, warum die Publity die Mehrheit der Preos-Anteile verkaufen möchte, wie das mit der vorherigen Anlegerkommunikation zusammenpasst und ob aktuell noch ein Vertrieb von Preos-Aktien aus dem Publity-Bestand an Privatinvestoren stattfindet. Diese Anfrage blieb bis Dienstagvormittag (26.1.) unbeantwortet.

Olek wollte Preos-Chef werden, wurde aber nur Berater
Schon in der jüngeren Vergangenheit klafften bei der Publity-Gruppe Kommunikation und Realität mitunter auseinander. So hatte Olek im September bekanntgegeben, sein Amt als Vorstandschef der Publity niederlegen zu wollen, um in gleicher Funktion bei der Preos tätig zu werden. Er wolle seine ganze Energie diesem Unternehmen widmen, so die Botschaft an die Anleger. "Preos ist mein Leben", hatte Olek im August in einem Investoren-Call gesagt. Kurz nach Weihnachten wurde dann bekannt, dass Olek zwar seinen Publity-Vorstandsposten räumt, bei Preos aber nur in beratender Funktion tätig sein wird. In der gleichen Mitteilung mussten Anleger erfahren, dass die Preos von ihrem im August kommunizierten Plan abrückt, eine Bardividende von fünf Prozent zahlen zu wollen. (bm)