Das Werben um neue Aktionäre für die Büroimmobilienfirma Preos war für deren Mutterkonzern Publity mit deutlich höheren Kosten verbunden als bislang gedacht. Insgesamt verkaufte Publity im vergangenen Jahr Preos-Aktien für 33,5 Millionen Euro. Dem standen Aufwendungen von rund 18,3 Millionen Euro gegenüber. Das lässt sich dem jüngst veröffentlichten Jahresabschluss der Frankfurter Aktiengesellschaft entnehmen.

Dass die Geschäfte mit Preos-Aktien, über die FONDS professionell ONLINE Ende vergangenen Jahres ausführlich berichtet hatte, für die Publity mit hohen Kosten verbunden waren, war bekannt. Neu ist aber, dass der Aufwand mehr als die Hälfte des Ertrages auffraß.

MIG-Fonds-Initiator Alfred Wieder unterstützte im Vertrieb
Bei den Transaktionen handelte es sich um ein sehr unübliches Geschäft: Die Publity bot Anlegern Preos-Aktien aus dem eigenen Bestand mit 15 Prozent Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs an. Die Investoren mussten sich im Gegenzug verpflichten, die Titel mindestens ein Jahr lang zu halten. Um Interessenten zu finden, schaltete Publity Tippgeber und Vermittler ein, denen sie satte Provisionen zahlte.

Einen Wertpapierprospekt für diese "Umplatzierung" legte die Publity erst Ende November vergangenen Jahres vor. Doch schon Monate zuvor hatte das Unternehmen einen Tippgebervertrieb beauftragt, Interessenten für die Preos-Aktie in Deutschland und Österreich anzuwerben. Die zeitweise wöchentlich stattfindenden Zoom-Meetings, in denen der damalige Vorstandschef Thomas Olek für die Titel des Büroimmobilienkonzerns trommelte, wurden von Alfred und Karl-Heinz Wieder moderiert. Alfred Wieder hatte einst die MIG-Fonds groß gemacht, sein Bruder Karl-Heinz unterstützte ihn im Vertrieb.

Die Tippgeber, darunter viele ehemalige MIG-Vermittler, erhielten sieben Prozent des Verkaufserlöses als Provision. Weitere 2,5 Prozent flossen an die Vertriebsorganisation – so hatte es Olek seinerzeit zumindest im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE erläutert. Addiert man diese beiden Positionen und berücksichtigt zudem den Rabatt auf den Preos-Kurs, den die Anleger eingeräumt bekamen, summieren sich die Kosten des Geschäfts aus Sicht der Publity jedoch nur auf gut 23 Prozent der Erlöse aus dem Aktienverkauf.

Die Vertriebsprovision war wohl viel höher als einst eingeräumt
Die Erträge und Kosten der Geschäfte mit den Preos-Aktien werden im Publity-Jahresabschluss nicht auf den ersten Blick erkennbar ausgewiesen. Vielmehr ist nur davon die Rede, dass in den "sonstigen betrieblichen Erträgen (…) Erträge aus dem Abgang von Gegenständen des Finanzanlagevermögens" von 33,5 Millionen Euro enthalten seien, denen "innerhalb der sonstigen betrieblichen Aufwendungen" knapp 18,3 Millionen Euro Kosten gegenüberstünden. Publity bestätigte auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE jedoch, dass es sich hierbei "um Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Preos-Aktien" handele.

Auf die Nachfrage der Redaktion, wie der im Vergleich zum Ertrag hohe Aufwand zu erklären sei, äußerte sich die Publity jedoch nicht. Informationen von FONDS professionell ONLINE zufolge lag die Vertriebsprovision, die in Summe an die Tippgeber und deren Organisation floss, deutlich über den seinerzeit offengelegten 9,5 Prozent. Dafür sprechen auch die nun ausgewiesenen Kosten des Geschäfts. Auf die Bitte der Redaktion, diese Information zu bestätigen, reagierte das Unternehmen nicht. (bm)