Der seit rund einem Jahr amtierende Bafin-Präsident Mark Branson hat der Behörde "mehr Biss" verordnet. Den zeigt sie auch: Mit Banken legte sich die Aufsicht wegen der ausstehenden Zinsen von Prämiensparverträgen an. Der Assekuranz hat sie öffentlichkeitswirksam unterstellt, durch die Hintertür einen Provisionsdeckel für Lebensversicherungen einführen zu wollen. Die Zunft ist über diesen "Provsionsrichtwert" natürlich nicht erfreut, auch nicht Norbert Rollinger, Chef des genossenschaftlichen Versicherers R+V. "Aus meiner Sicht ist der Provisionsrichtwert aber ein sehr weitgehendes Instrument. Ich sehe in der Branche keine Missstände, die ein Eingreifen in den freien Markt erforderlich machen", sagt er in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Das Gespräch schneidet auch einen anderen Kritikpunkt der Bafin an der Assekuranz an: Den hohen Kosten von fondsgebundenen Rentenversicherungen, welche der R+V-Chef für sein Haus verteidigt: "Unser Partner Union Investment arbeitet mit aktiv gemanagten Fonds und hat eine gute Performance im Markt. Dass hier die Kosten etwas höher ausfallen als bei ETFs, halte ich aufgrund des aktiven Managements der Fonds und der integrierten Versicherungsbestandteile für berechtigt", erklärt Rollinger. 

Steigende Überschussbeteiligungen
Ferner betont der Manager, dass Fondspolicen von Kunden aufgrund des Niedrigzinsumfeldes gewünscht werden. Rollinger geht aber davon aus, dass die Renditen klassischer Policen bald wieder steigen werden. Schließlich stehe auch die Euro-Zone vor einer Zinswende, was ein sehr gutes Signal für die Lebensversicherung als solche sei: "Dann können wir die Kundengelder wieder ertragreicher anlegen. Mit der Zeit wird dann auch die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung wieder steigen", so der R+V-Chef gegenüber der Wirtschaftszeitung. 

Zudem betont er, dass seine Gesellschaft im Zuge möglicher Zinserhöhungen keine längerfristigen Probleme mit Abschreibungen bei Anleihen haben werde, die sie derzeit im Bestand hält. Zwar werde es Bewertungsverluste geben, die R+V halte Anleihen aber in der Regel bis zur Endfälligkeit. "In Einzelfällen werden wir zwar abwägen, ob wir uns von bestimmten Anlagen trennen, wesentliche Abschreibungen haben wir aber nicht zu befürchten", erklärt Rollinger. (jb)