Die deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie weitere Genossenschaftsbanken haben im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Zugleich arbeitet die Finanzgruppe nach mehreren Stützungsfällen in den eigenen Reihen an einer Reform ihres Sicherungssystems.

Nach vorläufigen Zahlen erzielten die 646 deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und sonstigen Genossenschaftsbanken einen Jahresüberschuss vor Steuern von 9,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mitteilte.

Zins- und Provisionsüberschuss legen zu
Sowohl der Zinsüberschuss als auch der Provisionsüberschuss legten 2025 zu. Letzterer wurde größtenteils im Zahlungsverkehr sowie im Vermittlungs- und Wertpapiergeschäft erwirtschaftet. Die Aufwands-Ertrags-Relation verbesserte sich auf 62,1 Prozent.

"Trotz allem wirtschaftlichen Erfolg unserer Banken in Summe: Es war dringend erforderlich, dass wir Konsequenzen aus den Sanierungsfällen in jüngerer Vergangenheit ziehen", sagte BVR-Präsidentin Marija Kolak laut Redetext.

Reform des Sicherungssystems geplant
Die Aussage bezog sich auf die geplante Reform der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung, über die sich die Banken in Krisen gegenseitig stützen.

Mehrere Institute hatten zuletzt Unterstützung aus dem Verbund benötigt. "Wir sehen Fälle, in denen Institute Risiken nicht richtig eingeschätzt oder Kontrollmechanismen nicht funktioniert haben. Wir konnten die betreffenden Banken mit unserer starken Institutssicherung ohne Schwierigkeiten auffangen. Dennoch belastet jeder Sanierungsfall unsere Solidargemeinschaft", sagte Kolak. Ziel der Reform ist es, angeschlagene Institute künftig schneller und effektiver zu stabilisieren.

Mehr Eingriffsrechte für Sicherungseinrichtung
Nach Angaben von Daniel Quinten, Vorstandsmitglied des BVR, soll vor allem das Monitoring der Banken durch die Sicherungseinrichtung verbessert werden.

Die Einrichtung soll künftig mehr Eingriffsrechte erhalten. Dazu zählen unter anderem ein bedingungsloses Teilnahme- und Rederecht in Gremiensitzungen von Banken sowie ein vereinfachter und schnellerer Ausschluss aus der Institutssicherung inklusive eines "Entzugs der Markenrechte". Zudem könnten Banken mit höheren Risikoprofilen oder bei unkooperativem Verhalten mit höheren Beiträgen belastet werden.

Zusammenarbeit im Verbund soll verbessert werden
Auch die Zusammenarbeit innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe soll ausgebaut werden. Dazu gehört eine engere Abstimmung zwischen dem BVR, den regionalen Prüfungsverbänden, Sanierungsausschüssen sowie der DZ Bank als Spitzeninstitut.

Darüber hinaus wird an der Einführung eines Vorstands- und Aufsichtsratskodex gearbeitet. Darin sollen gemeinsame Erwartungen zu Rechten, Pflichten und Verantwortlichkeiten von Vorständen und Aufsichtsräten innerhalb der Finanzgruppe festgehalten werden.

Mehrere Stützungsfälle
Auslöser der Reformdiskussion waren mehrere Stützungsfälle innerhalb des Verbunds. Der wohl bekannteste Fall war die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, bei der ein hoher Wertberichtigungsbedarf bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen entstanden war.

Auch die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Investitionen in Immobilienfonds in Schieflage. Zudem sah sich die Volksbank Düsseldorf Neuss mit einer Forderung von rund 100 Millionen Euro konfrontiert, nachdem sie nach eigener Darstellung Opfer "betrügerischer Machenschaften" geworden war. In einem "Bloomberg"-Interview hatte Kolak dazu erklärt: "Es gab Missmanagement, es wurden unverantwortliche Risiken eingegangen."

Verantwortung bleibt bei den Primärbanken
Quinten betonte, dass die Verantwortung für das Risikomanagement weiterhin bei den einzelnen Banken vor Ort bleiben soll. Die Dezentralität der genossenschaftlichen Finanzgruppe stehe nicht zur Disposition. Gleichzeitig sei es wichtig, Risiken innerhalb der Gruppe künftig stärker gesamtübergreifend zu überwachen.

Einige der geplanten Maßnahmen müssen noch von der Mitgliederversammlung beschlossen werden. Entsprechende Abstimmungen sind für dieses und das kommende Jahr vorgesehen.

Beschäftigtenzahl steigt – Kryptohandel in Vorbereitung
Unterdessen ist die Zahl der Beschäftigten bei den Genossenschaftsbanken im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Sie erhöhte sich um 1,9 Prozent auf 139.500 Mitarbeiter. Der Wettbewerb um Nachwuchskräfte bleibe intensiv, da Banken verstärkt Kompetenzen in Bereichen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz aufbauen müssten, erklärte der BVR.

Zudem öffnen sich die Genobanken dem Thema Kryptowährungen. Der Kryptohandel in der Banking-App ist in Pilotbanken bereits gestartet und steht laut Kolak kurz vor einem breiteren Start. Weitere Angebote rund um Brokerage-Dienstleistungen befinden sich in Vorbereitung. (mb/Bloomberg)