Die Regierung in Berlin sieht keine Notwendigkeit dafür, die Regeln für externe Abwickler von älteren Lebensversicherungen zu ändern. Sie möchte auch nicht die Zustimmung von Versicherungsnehmern für einen Verkauf von Policen an sogenannte Run-off-Plattformen einführen. Deren Geschäftsmodell steht also von politischer Seite nichts entgegen. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der FDP hervor. In dieser betont das Bundesfinanzministerium auch, dass es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass Kunden der Abwickler nach der Übertragung ihrer Versicherungen generell schlechter gestellt waren.

Die Übertragung von älteren Versicherungen auf eine Abwicklungsplattform – im Fachjargon Run-off genannt – bleibt in der Öffentlichkeit und in der Branche selbst umstritten. Viele Kunden fürchten, dass sie bei dem neuen Anbieter schlechter gestellt sind und lehnen einen Run-off daher kategorisch ab. Aus diesem Grund haben sich neben Verbraucherschützern auch schon Politiker mit dem Thema beschäftigt. Die Unionsfraktion im Bundestag etwa hatte Ende November angekündigt, Run-offs zum Regulierungsthema machen zu wollen – was jetzt allerdings unwahrscheinlicher wird.

Bafin stellt sich gegen Run-off-Verbot
Die Finanzaufsicht Bafin hält ebenfalls nichts von einem Verbot der externen Abwickler. "Dafür gibt es aus meiner Sicht keinen Grund", sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld vor einigen Wochen in einem Interview mit dem "Manager Magazin". "Ein Verkauf ist kein Verrat am Kunden, sondern eine legitime unternehmerische Entscheidung", betonte er im Gespräch. Es gehe laut Hufeld darum, wie und wo die Interessen der Kunden am besten gewahrt blieben.

Wenn ein neuer Investor Policenbestände übernimmt, könne das für die Versicherten sogar vorteilhaft sein, meint Hufeld. Besonders dann, wenn der bisherige Versicherer schwach dastehe. "Schlechter dürfen die betroffenen Kunden nicht gestellt werden, sonst würden wir die Übertragung nicht genehmigen", stellt der oberste deutsche Finanzaufseher fest.

Generali überlegt weiter
Im vergangenen Jahr hatten sich die Ergo und die Generali aus der Deckung gewagt. Der Versicherer mit italienischer Mutter prüft immer noch den Verkauf an eine Run-off-Plattform. Allerdings sei auch nicht ausgeschlossen, die Bestände intern abzuwickeln. Die Generali erwägt auch eine dritte Option: Den Verkauf der Bestände an eine externe Gesellschaft, wobei die Generali einen Minderheitsanteil am Abwickler bekommen könnte. Auf diese Weise könne man den Prozess der Abwicklung begleiten.

Mitbewerber Ergo hat dagegen kürzlich seine Entscheidung bezüglich seiner in Abwicklung befindlichen Lebenspolicen getroffen: Die Tochter der Munich Re wird diese intern abwickeln und hat dafür eine Kooperation mit IBM Deutschland getroffen. Mittelfristig möchte sich der Versicherer damit selbst als Abwicklungsplattform positionieren. (jb)