Die Kosten für die Anpassung des Geschäfts an neue regulatorische Anforderungen sowie der Trend zu börsengehandelten Indexfonds (ETFs) wird im kommenden Jahr mehr und mehr kleine Vermögensverwalter zur Aufgabe zwingen, erwartet die Investment-Sparte der schweizerischen Bank EFG International.

"Jeden Tag schließen mir bekannte Investment-Boutiquen", sagt Moz Afzal, globaler Investmentchef von EFG Asset Management in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Haus verwaltet rund zwölf Milliarden Dollar. Alleine aus der zur Erhöhung der Gebührentransparenz gedachten Finanzmarktrichtlinie Mifid II entstehen den Asset Managern zusätzliche Kosten in Höhe von jährlich 2,1 Milliarden Dollar.

Kritische Masse erreichen
Darüber hinaus könnten die Vermögensverwalter ab 2018 gezwungen sein, für Analysen von Brokern zu bezahlen, was zu weiterem Druck auf die Margen führen würde. Letzteres sei gerade für einige kleinere Asset Manager eine kaum zu stemmende Belastung, so Afzal. Wie sollten Vermögensverwalter, die derzeit vollständig von externer Expertise abhingen, 20 oder 30 eigene Analysten einstellen? Dies werde Gesellschaften mit einem verwalteten Vermögen von einer bis zwei Milliarden US-Dollar vor existenzielle Probleme stellen.



Mit Blick auf das verwaltete Vermögen des eigenen Unternehmens sagte Afzal, dass nach der Übernahme des Wettbewerbers BSI im November ein Anstieg bevorstehe. Damit befinde sich EFG Asset Management in einer idealen Position, die es dem Asset Manager ermögliche, besser als kleinere Wettbewerber mit den regulatorischen Herausforderungen zurechtzukommen. Ganz ähnlich strebt auch in Deutschland die Freiburger Boutique Greiff Capital an, durch Übernahmen eine kritische Masse zu erreichen. So übernahm das Haus jüngst sieben vermögensverwaltende Fonds im Volumen von insgesamt 185 Millionen Euro (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Anlagevolumen sinkt erstmals
Die zusätzlichen Belastungen durch Regulierung und die zunehmende Konkurrenz durch passive Produkte trifft die Branche zu einem Zeitpunkt, da das verwaltete Vermögen in der Branche ohnehin bereits rückläufig ist. Nach Berechnungen von Willis Towers Watson und Pension & Investments sank im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 bei den Top-500-Fondsgesellschaften das Anlagevolumen auf breiter Front. (Bloomberg/ert)