Das wirtschaftliche Ende der Greensill-Gruppe rückt näher. Am vergangenen Freitag (12. März) hat der US-Finanzinvestor Apollo die Verhandlungen über eine mögliche Übernahme von Teilen des zahlungsunfähigen britisch-australischen Lieferkettenfinanzierers abgebrochen. Dies berichtet das "Handelsblatt". Zwei Wochen, nachdem der britische Mutterkonzern Insolvenz angemeldet hatte, werde in dieser Woche nun auch der Insolvenzantrag der deutschen Tochter, der Bremer Greensill Bank, erwartet, schreibt die Wirtschaftszeitung.

Die Folgen des Greensill-Dramas sind bitter und werden die Betroffenen wohl auch noch lange beschäftigen. So soll der japanische Softbank-Konzern Berichten zufolge bereits sein gesamtes Investment abgeschrieben haben. Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat mehrere Manager zumindest vorläufig von ihren Aufgaben entbunden, darunter den Schweiz- und Europa-Chef ihrer Asset-Management-Tochter, Michael Degen.

Hohe Verluste für Bundesländer und Kommunen 
Auf Verluste durch den Greensill-Zusammenbruch müssen sich dem "Handelsblatt" zufolge insgesamt rund 50 Bundesländer und Kommunen einstellen. Allein vom Land Thüringen stünden 50 Millionen Euro auf dem Spiel, von der Stadt Monheim 38 Millionen Euro. Insgesamt beliefen sich die ungedeckten Einlagen auf rund 500 Millionen Euro, schreibt die Zeitung. Auch einige ARD-Sendeanstalten haben Gebührengelder bei Greensill geparkt.

Anders sieht es bei Privatanlegern aus, die über Plattformen wie Weltsparen und Zinspilot rund drei Milliarden Euro bei Greensill angelegt haben. Sie werden aller Voraussicht nach mit dem Schrecken davonkommen und ihr Geld vom Einlagensicherungsfonds des Privatbankenverbands BdB zurückerhalten.

Deutsche Großbanken nicht erfreut
Große deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Commerzbank sind von den Entwicklungen zwar nicht unmittelbar betroffen, da sie nach eigenen Angaben bei Greensill nicht engagiert waren. Sie werden den Einlagensicherungsfonds nach der Pleite der Greensill Bank aber wieder auffüllen müssen.

Das gesamte Ausmaß des Finanzskandals lässt sich noch nicht absehen. Der Rechtsstreit zwischen Gläubigern, Investoren und Versicherern werde voraussichtlich Jahre dauern, schreibt die Zeitung. (am)