Robert Beer: "Es ist wie beim Pferderennen"
2003 hat Robert Beer seine eigene Fondsboutique gegründet. Inzwischen ist Sohn Jonas in die Firma eingestiegen. Was sie antreibt und wie sie ihre Fonds managen, haben sie bei einem Spaziergang in der Oberpfalz erzählt.
Nicht in Frankfurt am Main, nicht in München und auch nicht in Köln hat sie ihren Sitz. Die Fondsboutique Robert Beer ist im oberpfälzischen Parkstein nahe der tschechischen Grenze beheimatet. In der Weidner Straße 36 steht das schmucke rot-weiße Haus. Kurz geklingelt, die Treppe zur ersten Etage hinauf, da ist er.
"Grüß Gott, Robert Beer", lächelt der Firmengründer. "Servus, Jonas." Auch Beers Sohn streckt die Hand zur Begrüßung aus. Er ist 28 und entdeckte im Alter von zwölf Jahren sein Interesse für die Kapitalmärkte. Heute ist er Partner und managt gemeinsam mit Robert Beer die beiden Fonds des Hauses, den RB Luxtopic – Aktien Europa und den Mischfonds RB Luxtopic – Flex.
Seite an Seite
Robert Beer und Sohn Jonas arbeiten Seite an Seite, sind Portfoliomanager aus Leidenschaft – und "echte Parksteiner". Als Vater Robert im Jahr 1961 hier geboren wird, spricht nichts dafür, dass er später einmal Fonds managen wird. Eigentlich möchte er am liebsten Sport studieren, doch verschiedene Verletzungen machen die erhoffte Karriere als Fußballer zunichte.
Nach dem Abitur entscheidet sich Beer für ein Studium im Bauingenieurwesen. Um seine mathematische Begabung weiß er schon seit Kindertagen. Die Bekanntschaft mit den Kapitalmärkten hat Beer allerdings dem Zufall zu verdanken. Daraus sollte eine Passion werden.
Auf der Gewinnerseite
Es dauert Jahre, bis Beer seine ganz eigene Investmentstrategie entwickelt. Zwei Start-ups gründet er, verdient viel Geld und verliert auch wieder. 2001 beschließt er, von nun an auf der Gewinnerseite unterwegs zu sein. Dafür erarbeitet er einen Algorithmus für Aktien, der es ermöglicht, Top-Performer zu identifizieren. 2003 legt er seinen ersten Fonds auf, den RB Luxtopic – Aktien Europa. Mehrfach wurde er mit dem DEUTSCHEN FONDSPREIS ausgezeichnet.
Beers internationaler Mischfonds, der RB Luxtopic – Flex, hat sogar vier Mal in Folge den DEUTSCHEN FONDSPREIS gewonnen. Eine durchschnittliche Rendite von sieben Prozent pro Jahr hat er seinen Anlegern seit der Auflage beschert. "Die Auszeichnungen mit dem DEUTSCHEN FONDSPREIS bedeuten mir sehr viel", sagt Robert Beer. "Denn für diesen Preis wird die Performance der Fondsmanager anhand von Daten klar gemessen", erklärt er. Und genau darum geht es bei seinem Investmentansatz auch: um eine risikoadjustierte Performance für die Anleger.
Hoch auf den Vulkan
"Wir dachten, ein Spaziergang auf unseren Vulkan wäre schön", sagt Jonas Beer. Auf jeden Fall. Schnell die Mäntel angezogen, im Moment regnet es nicht. Es geht durch die kleinen Straßen von Parkstein, vorbei an einem Tante-Emma-Laden und einer Gaststätte.
Robert Beer ist Unternehmer aus Leidenschaft. "Mit der Börse hatte in meiner Familie aber niemand etwas zu tun", sagt er, als der Weg stetig aufwärts in Richtung der kleinen Kirche auf der Spitze des Vulkans geht. Sein Vater ist Stuckateur, seine Mutter Lohnbuchhalterin. Auf der Wiese, auf die er heute von seinem Schreibtisch aus blickt, war er schon als Junge mit dem Trecker unterwegs. Er ist bei jedem Wetter draußen, spielt Tennis, schwimmt gern, fährt Rennrad – und träumt von einer Fußballkarriere.
Mit sportlichem Ehrgeiz
"Ich denke, ein starker Fondsmanager muss ehrgeizig sein, immer gewinnen wollen", sagt Beer, als der Weg steiler wird. "Diesen Willen zu siegen hatte ich schon als Kind, sportlicher Ehrgeiz treibt mich in meiner Arbeit auch heute noch an", sagt er. Da aus dem Profifußball nichts werden kann, entscheidet sich Robert Beer nach dem Abitur, Bauingenieur zu werden. Er zieht nach München, wo sich die Weichen schon bald ganz anders stellen sollen. "Zu Beginn meiner Studienzeit habe ich ein Buch mit dem Titel 'Geldverdienen mit Aktien' entdeckt", berichtet Beer. Er kauft es, liest es – und investiert danach all seine Ersparnisse sofort in Aktien.
Von da an lassen ihn die Kapitalmärkte nicht mehr los. 2001 überlegt er sich schließlich, dass es doch möglich sein müsste, einen Algorithmus zu entwickeln, der ständig Aktienkurse misst und die besten Papiere herausfiltert. Als Beer sich an die Programmierung eines solchen Algorithmus macht, ist er nach zwölf Jahren in München und in Regensburg wieder in die Oberpfalz zurückgekehrt. Er ist inzwischen mit seiner Frau Christine verheiratet, die Kinder sollen auf dem Land aufwachsen. Sohn Jonas kommt 1997 zur Welt. Drei Jahre später steht der Algorithmus, Robert Beer gründet seine Fondsboutique, legt 2003 seinen Aktien- und 2004 den Mischfonds auf. "Seitdem habe ich nie mehr Geld verloren", erklärt Beer stolz.
Der Investmentprozess
Auf dem Gipfel des Vulkans erläutert Jonas Beer mit Feuereifer den Investmentprozess, den sein Vater entwickelt hat und den er selbst ständig ausfeilt. "Ich verdeutliche es mal am Beispiel des RB Luxtopic – Aktien Europa", sagt er. "Nach fundamentalen Kriterien wird aus einem riesigen Datencenter ein Pool von etwa 100 ertragsstarken Blue Chips erstellt", erklärt er. Über die rund 100 Aktien läuft dann tagtäglich der Algorithmus, der die Kursentwicklung der Papiere misst.
"Das ist wie beim Pferderennen", ergänzt Robert Beer. Zu Beginn eines Jahres stehen alle Aktien an der Startlinie. Mit den Wochen und Monaten zeigt sich, welche Branchen und Unternehmen ins Siegerfeld laufen, welche Aktien sich besonders gut entwickeln. "Einmal im Monat diskutieren wir, welche selektierten Aktien wir ins Portfolio unserer Fonds aufnehmen sollten und welche wir vielleicht aussortieren müssen", erläutert Jonas Beer. "Nicht zuletzt betreiben wir ein aktives Risikomanagementsystem mit Put-Optionen", sagt Jonas. Dieser "Airbag" hat unter anderem dazu geführt, dass die Fonds der Beers selbst im Corona-Crash vom März 2020 kaum Geld verloren haben. (am)
Das vollständige Porträt von Robert und Jonas Beer finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2025 von FONDS professionell ab Seite 144. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.














