Der Markt für Robo-Advice wird sich in den nächsten Jahren rasant weiterentwickeln. Das wissen im Grunde auch die in Deutschland aktiven Vermögensverwalter, viele tun sich aber immer noch schwer mit einem Einstieg in dieses Geschäft. Eine Eigenentwicklung ist für die meisten viel zu teuer und allenfalls für die größten Marktteilnehmer leistbar, wie das zum Beispiel DJE Kapital mit dem Angebot Solidvest vorgemacht hat. Und auch wenn eine Reihe von Depotbanken wie etwa die DAB Bank, die Baader Bank oder auch die Fidelity-Fondsplattform FFB mit entsprechenden Angeboten lockt, zögern viele kleine und mittlere Institute noch mit dem Schritt zur Anbindung an einen entsprechenden Partner, vor allem weil sie die Kosten scheuen. Denn in der Regel wird dafür immer noch entweder ein eigenes IT-Team oder ein externer Dienstleister benötigt.

Die Kooperation mit einem bereits aktiven genuinen Robo-Anbieter ist für viele Vermögensverwalter ebenfalls keine Option, weil sie zum einen fürchten, Kunden eines Tages komplett an den Onlinekonkurrenten zu ¬verlieren. Zum anderen arbeiten die meisten Robo-Advisors mit starren ETF-Portfolios und bieten keine Möglichkeit an, eigene aktiv gemanagte Strategien umzusetzen.

"Eigenes IT-Süppchen"
"Viele Vermögensverwalter sind ob dieser Gemengelage sichtlich verunsichert, wie sie das Thema angehen sollen", erklärt dazu Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Kölner Fundamental Capital. Zudem gebe es bisher keinen Standard in diesem Bereich, weil jeder sein eigenes IT-Süppchen gekocht habe. "Deshalb sind wir angetreten, uns als Allround-Anbieter für Online-Vermögensverwaltungsstrategien aufzustellen", so Zimmer. Mit einer neuen Plattform, die noch unter dem Entwicklungsnamen "Multi-Investment-Plattform" läuft, will Zimmer Vermögensverwaltern, aber auch 34f-Vermittlern den Weg zum eigenen Robo-Advisor ebnen. Die Idee dahinter: Ein Vermögensverwalter bildet auf der Multi-Investment-Plattform ohne Zusatzkosten seine eigenen VV-Strategien ab und erhält dafür im -Gegenzug einen eigenen Robo-Advisor, der in dessen eigenen "Look and Feel" auf seiner Homepage eingebunden wird.

"Für uns hat das den Vorteil, dass wir mit der Zeit zu einer Art Shop für Vermögens-verwaltungsstrategien heranwachsen", so Zimmer, der für den Anfang die Einbindung von rund 25 Vermögensverwaltern plant. "Der Vermögensverwalter wiederum profitiert ¬davon, dass er seinen eigenen Robo-Advisor bekommt, ohne sich mit Fragen rund um ¬Kosten, Auslagerung, IT-Einbindung und Schnittstellen beschäftigen zu müssen. Außerdem profitiert er zusätzlich von unserer Plattform, über die dann eventuell zusätzliches ¬Geschäft für seine Strategien generiert wird." Als Depotbank für ihre Plattform haben die Kölner die Baader Bank gewonnen.

Anbindung binnen einer Woche
Nach Zimmers Angaben können interessierte Vermögensverwalter innerhalb von nur einer Woche angebunden werden und bereits mit dem eigenen Robo-Advisor arbeiten. Die Kölner setzen dabei auf eine nach oben hin ausbaufähige cloudbasierte Software, die einem Wirtschaftsprüfer die revisionssichere Überprüfung aller Transaktionsvorgänge erlaubt. Zusätzlich wird jeder Geschäftsvorgang in der Ethereum-Blockchain abgespeichert, die nicht überschrieben werden kann, wodurch die Historie von Geschäftsvorgängen jederzeit nachprüfbar bleibt. Damit soll eine extrem hohe Revisions- und Cybersicherheit im Hintergrund sichergestellt werden.

"Wir kümmern uns um Technik und Regulierung, halten die Verbindung zur Baader Bank, die das Depot führt, und schließen den Vermögensverwaltungsvertrag mit dem Kunden ab", so Zimmer. "Damit kann sich der Ver¬mögensverwalter auf das Management ¬seiner auf unserer Plattform geführten Strategiedepots kümmern."

Einstieg ins Retailsegment
Als einen der ersten Kunden und Vorreiter haben Zimmer und seine Mitstreiter den Berliner Vermögensverwalter JRC Capital Management gewonnen, der zurzeit angebunden wird. Deren Geschäftsführer Jannis Raftopoulos managt bereits seit 1994 spezielle Fremdwährungsstrategien, allerdings bisher nur für institutionelle Investoren ab einer Mindestanlage von fünf Millionen Euro. "Das Angebot, über die Multi-Investment-Plattform einen eigenen Robo-Advisor für private Kunden ab einem Anlagevolumen von 25.000 Euro anzubieten, erschien uns eine gute Möglichkeit zum Einstieg in dieses Segment", so Raftopoulos.

Dass die Plattform auch ein interessantes Angebot für 34f-Vermittler darstellt, erklärt Berndt Schlemann von Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, ebenfalls aus Köln. "Es gibt gute Gründe, die das Angebot der Multi-Invest-Plattform für uns als 34f-Vermittler attraktiv machen. Zum einen können wir gemeinsam mit Fundamental Capital digital gemanagte Strategiedepots entwickeln, die wir unseren Kunden mit eigenem Branding anbieten. Zum anderen ist uns wichtig, dass unsere Kunden nicht nur in passive Instrumente (ETFs), sondern auch in aktive Strategien investieren können", so Schlemann. Das Portfoliomanagement übernimmt Fundamental Capital, die über eine eigene KWG-32-Lizenz verfügt.

"Ein 34f-Vermittler, der keine eigenen Strategiedepots über uns managen lassen möchte, hat zudem die Möglichkeit, unsere gesamte Plattform für seine Kunden zu nutzen, indem er ihm eine bestimmte oder mehrere Strategien der dort abgebildeten Vermögensverwalter vermittelt", so Zimmer. Sein Vorteil: Sollte sein Kunde mit der jeweils ausgewählten Anlage nicht mehr zufrieden sein, kann er ohne großen Aufwand auf eine andere Strategie wechseln – oder auch ganz einfach eine weitere oder mehrere hinzufügen, ohne die Bank wechseln zu müssen. Das Angebot wird ab Ende März 2019 im vollen Umfang zur Verfügung stehen, Interessenten mit 34f-Gewerbeerlaubnis oder KWG-32-Lizenz können sich bereits jetzt auf der Homepage von Fundamental registrieren lassen.


Andere Anbieter wie der Hamburger Finanzdienstleister Netfonds oder die V-Bank planen ähnliche Angebote. Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2018 von FONDS professionell. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch im E-Magazin ab Seite 308 lesen.