Das Fintech Weadvise hat den Start eines weiteren Robo-Beraters bekannt gegeben. Die Online-Vermögensverwaltung richtet sich aber explizit nicht an Endkunden, sondern als sogenannte White-Label-Lösung an Vermögensverwalter, Banken, Versicherungen und Vertriebe. "Im Gegensatz zu den sonstigen Anbietern von Robo Advice fokussieren wir uns als erster und einziger Anbieter ausschließlich auf das B2B-Segment", sagt Christian Ropel, Mitgründer und Geschäftsführer von Weadvise, hinter dem der Fintech-Inkubator Finconomy steht. Weadvise ist übrigens dessen erstes Unternehmen, das live geht.

Das Angebot des Fintechs, das dem Impressum zufolge nicht über eine eigene Lizenz gemäß Paragraf 32 Kreditwesengesetz (KWG) verfügt, ist laut einer Pressemitteilung eine "modulare und flexible" Plattform. Soll heißen: Die Kunden können sich alle Teile der gesamten technischen Abwicklungskette einer digitalen Vermögensverwaltung vom Frontend bis hin zur Verbindung zur Depotbank zur Verfügung stellen lassen. Wichtig ist dabei, dass Weadvise nicht selbst vorgefertigte Anlagestrategien bereitstellt, sondern Kunden ihre eigenen Strategien umsetzen können. 

Zahlreiche Mitbewerber
Die Münchner Gesellschaft wird damit auf einem Markt aktiv, an dem sich bereits etablierte Depotbanken und Fondsplattformen sowie das Start-up Elinvar tummeln. Hinter letzterem steht der Versicherungskonzern Talanx und der Fintech-Entwickler Finleap. Alle bieten technische Unterstützung für den Bau eines eigenen Robos (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich), wenngleich sie sich in erster Linie an Vermögensverwalter richten.

Die Gründe für einen Robo unter eigenem Namen liegen klar auf der Hand: So können die Finanzdienstleister Kunden mit kleineren Anlagesummen effizient betreuen und verlieren sie nicht an andere Robos. Nicht zuletzt ist die Regulierung ein Treiber für die Digitalisierung der Angebote. Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II bedeutet für Institute mit einer KWG-32-Lizenz ein deutliches Mehr an Vorschriften, was höhere Kosten und damit weniger Erträge nach sich zieht. Ein Robo-Berater mit automatischen Prozessen könnte hier und auch in anderen Bereichen Kosten sparen.

Weadvise selbst möchte nicht am verwalteten Vermögen verdienen, sondern an den Lizenzgebühren. Die fließen für die Software-Lösung, aber zum Beispiel auch für den laufenden technischen Support und für regelmäßige Updates, wie der Branchendienst "Finanz-Szene.de"  schreibt. (jb)