Die österreichische Raiffeisen-Bankengruppe kooperiert mit dem Münchener Robo-Advisor Scalable Capital und eröffnet ihren Kunden den Zugang zu einer kostengünstigen digitalen Vermögensverwaltung. Scalable hat die Plattform namens "Will" entwickelt und betreibt sie im Rahmen einer B2B-Whitelabel-Lösung für die nach Kundenanzahl größte Bankengruppe Österreichs, teilen die beiden Unternehmen mit.

Aktive Fonds von RCM und Kepler
Dabei unterscheidet sich der Raiffeisen-Robo von dem Angebot, das direkte Scalable-Kunden kennen: Im B2C-Bereich veranlagt der Robo nur in kostengünstige ETFs des Kooperationspartners Blackrock. Bei Will hingegen stehen offenbar aktiv gemanagte Fonds der Raiffeisen Capital Management (RCM) und der zu Raiffeisen Oberösterreich gehörenden Fondsgesellschaft Kepler an erster Stelle, während ETFs erst an zweiter Stelle genannt werden. 

Damit trotz aktiv gemanagter Fonds das bei Robo-Beratern wichtige Argument geringerer Kosten nicht flachfällt, werden für die Veranlagung auf Will die günstigeren institutionellen Tranchen hergenommen, erklärt Geschäftsführer und Mitgründer Erik Podzuweit gegenüber FONDS professionell ONLINE. Alles in allem (Vermögensverwaltung plus Produktkosten) liegen die Kosten um die 1,2 Prozent – im Mittel ungefähr bei einem Prozent, so Podzuweit. Es gibt eine All-in-Fee, die aber landesweit nicht komplett einheitlich ist, weil die eigenständigen Raiffeisenbanken bei den Kosten individuell mitentscheiden können.

Das Konzept sieht vor, dass Kunden je nach Risikoprofil aus vier Portfolios auswählen können. Diese sind laut den Angaben alle nach gewissen Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt. Der Einstiegsbetrag liegt bei 10.000 Euro. 

Scalable dringt weiter ins Businesskunden-Geschäft vor
Für Scalable, das sich ursprünglich als kostengünstiger Alternativanbieter für Endanleger positioniert hat, ist die Kooperation ein weiterer großer Schritt im B2B-Bereich. Ein logisches Manöver, denn angesichts der günstigen Kostenstruktur sind Robo-Anbieter stets darauf angewiesen, eine große Masse an Leuten zu gewinnen. Raiffeisen betreibt in Österreich mit 1.976 Bankstellen das dichteste Filialnetz des Landes.

Scalable hat unter anderem bereits die Targobank und die Openbank unter Vertrag. Die Targobank ist eine der führenden Privatkundenbanken Deutschlands mit mehr als vier Millionen Kunden, die Openbank wiederum ist die Digitalbank der spanischen Santander-Gruppe, Europas zweitgrößter Bank nach Kundenzahlen. Zudem betreibt Scalable Capital unter anderem die digitale Vermögensverwaltungs-Plattformen für die ING Deutschland, für Siemens Private Finance und für Oskar, der digitalen Vermögensverwaltung für Familien. (eml)