Der ehemalige Bondmanager Kenneth Leech hat sich schuldig bekannt, die Ermittlungen im "Rosinenpicker"-Fall behindert zu haben. Dies teilte die New Yorker Staatsanwaltschaft mit. Dem früheren Co-Investmentchef der zu Franklin Templeton gehörenden Boutique Western Asset Management wird vorgeworfen, manche Kunden gegenüber anderen bevorzugt behandelt zu haben. Diese Praxis wird als Rosinenpickerei oder im Englischen als "Cherry Picking" bezeichnet. Die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC waren 2024 bekannt geworden.

"Leech hat der SEC wissentlich und vorsätzlich falsche und irreführende Angaben gemacht, um eine Untersuchung seines betrügerischen Vorgehens zu behindern, mit dem er bestimmte Kunden auf Kosten anderer begünstigte", lässt sich der stellvertretende Staatsanwalt Sean Buckley in der Mitteilung zitieren. Leech habe in der Zeit von Januar 2021 bis Oktober 2023 gut laufende Wertpapiertransaktionen bestimmten Kundenportfolios angerechnet und schlecht laufende anderen Portfolios untergemischt.

100 Millionen Dollar Buße
Die Boutique Western Asset hatte erst vor wenigen Tagen einen Vergleich mit der SEC geschlossen. Im Zuge dessen zahlt die Franklin-Templeton-Tochter 100 Millionen US-Dollar Buße. Dafür stellt die Behörde die Ermittlungen ein. Die Aufseher monierten, dass Western Asset es versäumt habe, geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Verhalten des ehemaligen Co-Investmentchefs zu verhindern und aufzudecken. Der geschlossene Vergleich sei nicht mit einem Schuldeingeständnis verbunden, betonte das Mutterhaus Franklin Templeton.

Western Asset hatte Leech im August 2024 abgesetzt und den damals rund zwei Milliarden Dollar schweren Macro Opportunities Fonds geschlossen. Anleger zogen daraufhin hohe Summen ab. Im Dezember erhob die New Yorker Staatsanwaltschaft Anklage gegen Leech, der die Vorwürfe bislang bestritt. Seine Anwälte äußerten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur "Reuters" nicht zu dem nun erfolgten Schuldeingeständnis.

Pflichten verletzt
Den Ermittlern zufolge soll Leech im Laufe der Zeit Gewinne aus Transaktionen in einer Höhe von mindestens 600 Millionen Dollar bevorzugten Kundenportfolios zugewiesen und Verluste anderen Portfolios zugeschrieben haben. Den betroffenen Anlegern sei nicht bewusst gewesen, dass ihnen Verluste eingebrockt wurden, um anderen einen Vorteil zu verschaffen. Sowohl Retailanleger als auch institutionelle Investoren seien betroffen gewesen. Leech habe damit seine Pflichten als Treuhänder verletzt. (ert)