Die Übertragung einer zumeist älteren, höher verzinsten Lebensversicherung auf eine Abwicklungsplattform muss für Versicherungsnehmer nicht zwangsläufig mit Nachteilen verbunden sein. Allerdings bringt ein solcher im Fachjargon externer Run-off genannter Schritt auch keine wirklichen Vorteile. Das zeigt eine Studie, die das Deutsche Aktieninstitut für Altersvorsorge bei der Leipziger V.E.R.S. in Auftrag gegeben hat und über deren vorläufige Resultate das "Handelsblatt" berichtet. In der Vergangenheit hatte es mitunter harsche Kritik an diesen Übertragungen gegeben.

Allerdings kam der Meldung zufolge auch heraus, dass die Run-off-Plattformen sich ein größeres Stück vom Überschusskuchen gönnen. Das bestätigt somit die Resultate einer Studie der Ratingagentur Assekurata aus dem vergangenen Herbst (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Höhere RfB-Einzahlungen
Angesichts der absoluten Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Erträgen der Anbieter sei keine Benachteiligung der Kunden nach einem Verkauf zu erkennen, heißt es laut der Wirtschaftszeitung in der Studie. Bei der Verwendung der erzielten Überschüsse, die wesentlich darüber entscheidet, was Versicherte per Vertragsende herausbekommen, fallen die Run-Off-Versicherer lediglich durch eine höhere Zuwendung zu den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) auf. Das ist aber kein Nachteil, die Gelder fließen später den Versicherten zu.

"Wir schauen auf diese Entwicklung entspannter als noch vor Jahren", zitiert die Zeitung Lars Gatschke, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband. Anfangs seien Investoren aufgetreten, die unrealistische Rendite-Erwartungen hatten. "Aber die Finanzaufsicht hat hier eine segensreiche Arbeit geleistet und diesen Anbietern die Zähne gezogen." Genau das betont auch die Studie: Die Bafin schaue genauer hin und achte darauf, dass die Versicherten nicht schlechter gestellt seien.

Keine geringeren Verwaltungskosten
Wie oben erwähnt schütten die Plattformen aber mehr realisierte Gewinne an die Anteilseigner aus. Die durchschnittliche Gewinnabführungsquote liegt bei ihnen bei 57 Prozent, bei den übrigen Lebensversicherern liegt die Quote lediglich bei 33 Prozent – jene lassen also mehr Geld im Unternehmen.

Ferner schauten die Experten von V.E.R.S. auf die Verwaltungskosten der Run-off-Versicherer, da diese für sich in Anspruch nehmen, den Bestand effizienter und kostengünstiger zu verwalten. Diese Kosten seien aber noch nicht gesunken. Dass könnte daran liegen, dass die Verschiebung des Versicherungsbestandes auf neue Plattformen länger als erwartet dauert, so laut Handelsblatt die Mumaßung der Studie. (jb)


In der kommenden Ausgabe (1/2020) von FONDS professionell, die Ende des Monats ausgeliefert wird, finden Sie einen Artikel mit Details zu einem externen Run-off und wie die Abwicklungsplattformen Gewinne erzielen möchten.