Run-off-Markt nimmt langsam wieder Fahrt auf
In den vergangenen sieben Jahren gab es kaum externe Run-offs am deutschen Lebensversicherungsmarkt. Das wird sich wohl ändern. Die Viridium Gruppe verhandelt fleißig mit Gesellschaften – auch im Nachbarland Frankreich.
Die Versicherungsbranche in Deutschland wird bald wieder Verkäufe von Lebensversicherungen an spezialisierte Abwickler außerhalb des Versicherers sehen, sogenannte "externe Run-offs". Die Run-off-Plattform Viridium erwartet neue Transaktionen. "Die Frage ist nicht, ob die nächste Transaktion kommt, sondern wann", sagte Tilo Dresig, Vorstandschef der Viridium Gruppe bei einem Pressegespräch in Frankfurt. "Wir führen eine Reihe sehr relevanter Gespräche. Das Momentum ist da und stimmt uns sehr optimistisch – aber es handelt sich um umfassende strategische Prozesse, die Zeit brauchen."
Der Viridium-Chef begründet seine Aussage mit einem zunehmenden Bedarf an Abwicklung von Lebensversicherungen durch externe Experten. Das Produkt steht Dresig zufolge vor grundlegenden Veränderungen. Steigender Wettbewerbsdruck, starre Kosten, veränderte Anforderungen im Neugeschäft – bei den Kunden gebe es einen Wechsel hin zu "Rendite vor Sicherheit" – und neue Wettbewerber wie Neobroker und Asset Manager führen zu spürbarer Dynamik, welche durch die geplante Reform der privaten Altersvorsorge und den Wegfall des für Versicherer wichtigen Verrentungszwangs noch verstärkt werde.
"Mit Verkauf Konzentration auf Neugeschäft"
"Die fragmentierte Struktur im Lebensversicherungsmarkt beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit und ist nicht im Interesse der Kundinnen und Kunden", so Dresig weiter. "Viele Anbieter stehen vor der Herausforderung, einerseits neue Produkte zu entwickeln und andererseits die Herausforderungen der Alt-Bestände zu meistern. Hierbei erfordert allein die Modernisierung der oft veralteten IT-Systeme erhebliche Investitionen." Mit dem Verkauf der Bestände könnten sich die Versicherer aufs Neugeschäft konzentrieren und alte IT-Systeme abschalten.
Aber Deutschland alleine reicht der Gesellschaft nicht. Dresig bestätigte, dass der Versicherer seine Fühler schon nach Frankreich ausgestreckt hat, dem noch vor Deutschland größten Lebensversicherungsmarkt Europas. Interesse bestehe auch, wenngleich es im Nachbarland noch keinen externen Run-off gegeben habe.
Stabile Finanzlage
Die Viridium selbst sieht sich für Übernahmen in beiden Ländern gut gerüstet, nachdem die Finanzaufsicht Bafin letztlich einen Eigentümerwechsel erzwungen hatte und zuvor die Übernahme eines Bestands der Zurich Leben blockierte. Die Behörde hatte Bedenken, ob der vorherige Mehrheitseigner, die britische Beteiligungsgesellschaft Cinven, ausreichend Deckung für das sehr langfristige Geschäft einer Run-off-Plattform liefert. Im vergangenen Jahr hat die Bafin dann die Übernahme der Viridium durch ein finanzkräftiges Konsortium aus den vier Versicherern T&D Holdings, Allianz, Generali, Santander Insurance sowie dem Vermögensverwalter Blackrock und dem Schweizer Finanzinvestor PG3 abgenickt. (jb)














