Der "Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung", kurz Kenfo oder Atomfonds, hat ein Russland-Problem. Das Sondervermögen, das 2017 zur Finanzierung der dauerhaften Entsorgung von Atommüll gegründet wurde, hat bei der Suche nach Renditen auch in Aktien russischer Unternehmen investiert, wie schon vor ein paar Monaten bekannt geworden war. Diese haben sich im Zuge des Ukraine-Krieges aber nicht nur schlecht entwickelt, sie sind auch eingefroren. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) auf eine schriftliche Frage der Linken-Fraktion.

Wegen der verschärften Sanktionen und anhaltender Handelsbeschränkungen sei der Aktienbestand des Atomfonds in Russland "derzeit nicht veräußerbar", zitiert die Zeitung aus der Antwort des Wirtschaftsministerium. Was man noch rechtzeitig habe verkaufen können, habe man losgeschlagen. Der Rest hängt fest, zuletzt ein Wert von 3,5 Millionen Euro –Tendenz fallend.

Linkspartei kritisiert Öl-Investments als Skandal
Aber nicht nur das: Der Fonds ist die größte öffentlich-rechtliche Stiftung Deutschlands und verwaltet mehr als 25 Milliarden Euro, die laut Gesetz nachhaltig angelegt werden sollen. Allerdings steckt ein großer Teil des Russland-Portfolios in Aktien des Öl-Konzerns Lukoil. Das hält die Linkspartei für einen Skandal. "Die Selbstverpflichtung des öffentlich-rechtlichen Fonds des Bundes, die Mittel nachhaltig im Sinne der Klimaziele investieren zu wollen, scheint nicht viel wert zu sein, wenn zeitweise Millionen in die Öl-Industrie Russlands gepumpt wurden", sagte Linken-Chefin Janine Wissler gegenüber der der "SZ". 

Das BMWK wiederum verweist erneut auf die Anlagekriterien des Fonds, die keinen vollständigen Abschied aus fossilen Geschäftsmodellen fordern. Schließlich sollten die sich ja alle auf klimafreundliche Geschäftsmodelle umstellen, argumentiert das Ministerium in der Antwort auf die Anfrage der Linkspartei. "Hierzu werden nachweislich erhebliche finanzielle Mittel benötigt." Letztlich habe der Nachhaltigkeitsansatz des Fonds den Anspruch "durch seine Investitionen Akteure in der Realwirtschaft dabei zu begleiten, die Emissionen in der realen Welt zu reduzieren". (jb)