Der geplante Zusammenschluss der Fondssparten der Großbanken Unicredit und Santander ist gescheitert, weil Kartellbehörden keine zügige Zustimmung in Aussicht stellten. "Das Projekt stand von Anfang an unter dem Vorbehalt der regulatorischen Prüfung. Denn wir mussten bei Behörden in rund 30 Ländern unsere Pläne einreichen", sagte Stefan Jochum, Deutschlandchef von Santander Asset Management, im Interview mit FONDS professionell. "Eine komplette Zustimmung war in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Insofern konnten wir den ursprünglichen Fahrplan nicht einhalten." Ohne diese notwendige Planungssicherheit hätten alle Parteien entschieden, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, so Jochum.

Der Zusammenschluss sei aber unter bestimmten Konditionen und Annahmen vereinbart worden. "Wenn sich das nicht in der geplanten Zeit umsetzen lässt, ändert sich das Umfeld so sehr, dass die ursprünglichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind", erläuterte Jochum weiter. Welche Kartellbehörden genau mit ihrer Zustimmung zögerten, sagte Jochum nicht. Aus Branchenkreisen ist jedoch zu hören, dass vor allem bei den Regulierern aus den USA und Italien eine Zustimmung zunehmend schwierig erschien. Dies hat das Unternehmen jedoch nicht bestätigt.

Im Juli war der geplante Zusammenschluss der Fondssparte der spanischen Großbank Santander mit der Unicredit-Tochter Pioneer abgesagt worden. Die italienische Großbank schaut sich nun offenbar nach anderen Käufern um.

"Manche wollen sich chauffieren lassen"
Die Spanier wiederum wollen ihr bestehendes Fondsgeschäft anderweitig ausbauen. "Mit Pioneer hätte sich unsere Produktpalette deutlich ergänzt", sagt Jochum. Aber Santander AM betreibe habe mit den Schwerpunkten im Bereich Multi-Asset, Europa und Lateinamerika schon ein sehr erfolgreiches Geschäft. "Nun legen wir unsere ganze Kraft hinein, dieses weiter auszubauen."

Neben den bereits bestehenden, vermögensverwaltenden Dachfonds und einer strukturierten Vermögensverwaltung, die vor allem über das Banknetz vertrieben werden, stellte Jochum die Auflage neuer Produkte in Deutschland Aussicht. Das Haus will damit vor allem erfahrene Anleger oder Selbstentscheider ansprechen. "Es ist wie beim Auto, einige Investoren wollen bei ihren Investments das Steuer lieber selbst in der Hand behalten. Andere Anleger hingegen wollen lieber hinten sitzen und sich chauffieren lassen", erläuterte Jochum. "Wir sind dabei, etwas für die Selbstfahrer zu entwickeln" Dieses werde vorwiegend auf passive Produkte zurückgreifen und den Nutzen aus der Asset Allocation ziehen.

"Robo-Advisor sind eher ein Thema für die Beratung"
Weiterhin sieht Jochum die Finanzwelt durch die Digitalisierung im Umbruch. "Die Branche muss womöglich von dem einen oder anderen liebgewonnenen Gedanken Abschied nehmen", so der Santander-AM-Deutschlandchef. "Es wird zwar nach wie vor denjenigen geben, der in die Filiale geht und eine persönliche Beratung wünscht. Die junge Generation erledigt wiederum sehr viel über das Smartphone, warum nicht die Vermögensanlage oder den Fondssparplan?"

Die Asset-Management-Industrie müsse darauf unter anderem mit passgenauen Produkten für die verschiedenen Vertriebskanäle reagieren. "Muss ein Fondsanbieter einen Robo-Advisor bieten? Ich denke, eher nicht. Das ist ein Thema für die Beratung", schränkte Jochum ein. Die Santander-Bankgruppe könne allerdings so ein Angebot rasch auf den Weg bringen. "Der Entwicklungszyklus ist heute schon extrem kurz geworden", erläuterte Jochum. "Dabei sind verschiedene Ansätze denkbar, und wenn, dann geht das vergleichsweise schnell." (ert)


Stefan Jochum äußert sich im Interview außerdem über die Lage bei offenen Immobilienfonds, die Entwicklung bei den vermögensverwaltenden Produkten sowie die Wachstumspläne seines Hauses in einzelnen Segmenten. Das vollständige Gespräch lesen Sie in Ausgabe 3/2016 von FONDS professionell, die Ende September erscheint.