Das Kerngeschäft des insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard geht an die spanische Großbank Banco Santander über. Darüber informiert der Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Die Bank werde demnach die Technologieplattform des Unternehmens in Europa sowie alle dafür notwendigen Vermögenswerte übernehmen. 

Gleichzeitig wird der Großteil aller verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter im Geschäftsbereich Acquiring & Issuing Teil des globalen Händlerservice-Teams von Santander. Dies gelte auch für die Mehrzahl der Mitarbeiter der Wirecard Bank. Diese soll beim "Vollzug der Transaktion in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden geordnet heruntergefahren werden", wie es in der Pressemitteilung heißt. 

Behörden müssen noch zustimmen
Die Transaktion stehe aber unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung und bestimmter anderer Bedingungen und werde voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen. "Bis dahin werden Wirecard und Santander zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten."

Die spanische Bank will laut der Mitteilung mit der Übernahme ihre Wachstumspläne auf dem Gebiet der Zahlungsdienstleistungen und des damit verbundenen Händlergeschäfts in Europa beschleunigen. Diese Bereiche betreibt Santander unter der Dachmarke "Getnet", unter der auch die Wirecard-Einheiten künftig gebündelt werden. 

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen weiter
Das Insolvenzverfahren von Wirecard war vor knapp drei Monaten eröffnet worden. Zuvor hatte der Konzern Luftbuchungen im Umfang von 1,9 Milliarden Euro einräumen müssen, weshalb die Staatsanwaltschaft München auch wegen des Verdachtes auf Betrug und Untreue gegen ehemalige Manager des Unternehmens ermittelt. Der langjährige ehemalige Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, nach dem untergetauchten hochrangigen Ex-Vorstand Jan Marsalek wird gefahndet. 

Mit dem Verkauf dieser Kernbereiche sind laut dem Insolvenzverwalter die wesentlichen laufenden Geschäftsbetriebe verwertet worden. Zuvor seien bereits die eigenständigen Tochtergesellschaften in Brasilien, Rumänien und Nordamerika veräußern worden. Die Erlöse kommen jeweils den Gläubigern zugute. Derzeit laufen noch Investorenprozesse für weitere Tochtergesellschaften unter anderem in Asien, Südafrika und der Türkei. Hier rechnet Jaffé in den nächsten Wochen mit Ergebnissen. (jb)